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Brautpaarshooting: die halbe Stunde zu zweit an eurem Hochzeitstag
Zwischen Gratulation und Abendessen gibt es auf fast jeder Hochzeit ein Fenster von zwanzig bis dreißig Minuten, in dem ihr zum ersten Mal seit dem Aufstehen allein seid. Das ist das Brautpaarshooting. Es ist der einzige Teil des Tages, den ich tatsächlich führe, und gleichzeitig der Teil, vor dem die meisten Paare den größten Respekt haben. Zu Unrecht, wie sich fast immer nach den ersten fünf Minuten zeigt.

Was damit gemeint ist
Gemeint ist der Abschnitt an eurem Hochzeitstag, bei dem nur ihr beide, ich und meistens der Strauß dabei sind. Er liegt fast immer hinter den Gruppenbildern und vor dem Essen, dauert selten länger als eine halbe Stunde und findet in Gehweite der Feier statt. Eine Autofahrt zu einem schöneren Ort klingt verlockend und kostet in der Praxis die Hälfte der verfügbaren Zeit.
Nicht zu verwechseln ist das mit einem Paarshooting vor der Hochzeit. Das ist ein eigener Termin ohne Zeitdruck, bei dem ihr euch an die Kamera gewöhnt und ich mitbekomme, wie ihr miteinander umgeht. Wie so ein Termin abläuft, steht im Journal über das Paarshooting. Wer das vorher gemacht hat, spart sich am Hochzeitstag die Aufwärmzeit.
Und falls euer Tag am Ende so voll war, dass diese halbe Stunde untergegangen ist, lässt sie sich nachholen. Dafür gibt es das After-Wedding-Shooting, einen zweiten Termin im Kleid und ohne Uhr.

Aufgaben statt Posen
Ich sage euch nicht, wie ihr stehen sollt, sondern was ihr tun sollt. Darin besteht der ganze Kniff, und er funktioniert bei Menschen, die noch nie fotografiert wurden, genauso wie bei denen, die es eigentlich hassen.
Die Ansagen sind unspektakulär: Geht bis zum Ende des Weges und dreht euch dort um. Zieh sie an der Hand zu dir heran. Erzähl ihm, was dir vorhin während der Trauung durch den Kopf ging. Daraus werden Bewegungen, und in Bewegung hört ein Gesicht von selbst auf zu posieren.
Für die ruhigen Aufnahmen werde ich dann doch konkret, weil ein Kinn zwei Zentimeter zu weit hinten auf jedem einzelnen Bild zu sehen ist. Solche Kleinigkeiten sage ich euch laut, statt sie stillschweigend vorauszusetzen. Ihr müsst euch dabei nichts merken, ich wiederhole es, sobald es nötig wird.
Der Strauß gehört übrigens tiefer, als er sich anfühlt: etwa auf Hüfthöhe und leicht zur Seite gedreht. Vor der Brust getragen verdeckt er die halbe Kleidfront, und genau die wolltet ihr auf den Bildern haben.
Das beste Zeitfenster
Fotografisch ist die letzte Stunde vor Sonnenuntergang die beste Zeit des Tages. Das Licht steht dann flach, wird warm und wirft keine harten Schatten in die Augenhöhlen. Im Juni bedeutet das kurz vor halb zehn, im Oktober kurz vor sieben. Schaut den Sonnenuntergang für euer Datum einmal nach, bevor ihr den Ablauf endgültig festzurrt.
Die Schwierigkeit ist, dass zu dieser Stunde meistens das Essen läuft. Die Lösung dafür ist banal: Wir verschwinden zwischen Hauptgang und Nachtisch für zwanzig Minuten nach draußen. Niemand vermisst euch, der Nachtisch wartet, und ihr bekommt das schönste Licht des Tages, statt mittags um halb zwei in der prallen Sonne die Augen zusammenzukneifen.
Liegt eure Trauung ohnehin am späten Nachmittag, geht der klassische Weg direkt hinter den Gruppenbildern auf. Bei einem Termin um elf Uhr vormittags hänge ich lieber einen zweiten kurzen Abschnitt am Abend an, statt alles in die Mittagsstunde zu quetschen. Wie sich das in den übrigen Tag einfügt, zeigt der Zeitplan für den Hochzeitstag.

Der Regenplan
Es regnet häufiger, als in Hochzeitsplanungen vorgesehen ist, und ein Regenplan besteht nicht aus Hoffen. Er besteht aus zwei durchsichtigen Schirmen im Kofferraum, einem überdachten Platz in Gehweite und der Bereitschaft, das Zeitfenster kurzfristig zu verschieben.
Regen bringt dabei einen Vorteil mit, den kaum jemand erwartet: Er räumt die Kulisse leer und macht Farben satter. Aufnahmen unter einem Schirm, mit Tropfen im Gegenlicht, gehören regelmäßig zu den stärksten des ganzen Tages. Was ein Dauerregen tatsächlich verhindert, sind die Bilder mit viel Landschaft ringsherum.
Praktisch mache ich es so: Ich schaue morgens auf den Regenradar, und wenn sich eine Lücke abzeichnet, sage ich euch rechtzeitig Bescheid, dass wir in vierzig Minuten kurz hinausgehen. Zwölf trockene Minuten reichen völlig. Und wenn es durchregnet, arbeiten wir mit Toreinfahrten, Arkaden, großen Fenstern und eben dem Schirm.

Womit ihr uns beiden helft
Sagt euren Trauzeugen vorher, dass diese halbe Stunde fest im Ablauf steht. Sonst kommt jemand mit einer dringenden Frage hinterher, und aus zwanzig Minuten werden acht.
Bequeme Schuhe für den Weg, etwas zu trinken und jemand, der den Strauß hält, wenn ihr ihn nicht dauernd tragen wollt. Mehr braucht es von eurer Seite nicht. Alles Weitere ist meine Aufgabe.
Und rechnet nicht damit, die Bilder noch am selben Abend zu sehen. Eine Vorschau kommt in den ersten vierzehn Tagen, die vollständige Galerie nach sechs bis acht Wochen. Wer am Hochzeitsabend Bilder herumzeigen möchte, tut das mit den Handyfotos der Gäste, und das ist auch völlig in Ordnung.
Häufige Fragen
- Wie lange dauert ein Brautpaarshooting am Hochzeitstag?
- Zwanzig bis dreißig Minuten reichen, wenn der Ort zu Fuß erreichbar ist. Länger als vierzig Minuten macht selten Sinn, weil danach die Konzentration nachlässt und eure Gäste anfangen, euch zu suchen.
- Wann am Tag ist der beste Zeitpunkt dafür?
- In der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, weil das Licht dann weich und warm von der Seite kommt. Meist heißt das, wir gehen mitten aus dem Abendessen heraus. Das ist kein Problem, man muss es nur vorher mit der Küche absprechen.
- Was ist der Unterschied zum Paarshooting vor der Hochzeit?
- Das Shooting vorher ist ein eigener Termin mit einer ganzen Stunde Zeit und dient vor allem dem Kennenlernen. Am Hochzeitstag habt ihr Kleid, Anzug, Strauß und eine feste Uhrzeit, dafür sind alle Gefühle des Tages schon da.
- Was passiert, wenn es regnet?
- Dann fotografieren wir trotzdem, nur anders. Zwei durchsichtige Schirme liegen bei mir im Auto, und ich suche mir vorher überdachte Stellen in Gehweite. Häufig warte ich außerdem eine Regenlücke ab und hole euch dafür kurzfristig aus der Feier.
- Wir stehen beide ungern vor der Kamera. Geht das trotzdem?
- Ja, und zwar besser, als ihr denkt. Ihr bekommt von mir kleine Aufgaben statt Posen, also gehen, sprechen, sich zuwenden. Die ersten Minuten sind für alle unangenehm, danach vergessen die meisten Paare, dass ich überhaupt dabei bin.


