Planung

After-Wedding-Shooting: Wofür es sich lohnt und wofür nicht

Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit

Schwarz-Weiß-Hochzeitsfoto eines Brautpaares in festlicher Kleidung in einem elegant eingerichteten Saal
Schwarz-Weiß-Hochzeitsfoto eines Brautpaares in festlicher Kleidung in einem elegant eingerichteten Saal

Ein After-Wedding-Shooting ist ein zweiter Fototermin nach der Hochzeit, im Kleid und im Anzug, ohne Gäste und ohne Zeitplan. Ich werde regelmäßig danach gefragt, und meine Antwort ist genauso regelmäßig: Es kommt darauf an, was am Hochzeitstag passiert ist. Für manche Paare ist es das Beste, was sie nachträglich noch tun können. Für andere ist es ein Termin, der nichts hinzufügt.

Wofür es sich wirklich lohnt

Der klarste Fall ist der Zeitmangel. Wenn die Trauung eine Stunde später begann, das Essen sich zog und am Ende zwischen Kaffee und Eröffnungstanz genau zwölf Minuten für Bilder zu zweit blieben, dann fehlt euch etwas, das sich nachholen lässt. Zwölf Minuten reichen für ein paar gute Aufnahmen, aber nicht für die ruhigen.

Der zweite klare Fall ist das Wetter. Dauerregen kann man fotografieren, und mit Schirmen entstehen Bilder, die mir oft besser gefallen als die bei Sonne. Was Dauerregen aber verhindert, sind die weiten Aufnahmen: ihr zwei klein im Bild, dahinter Landschaft. Wenn genau das euer Wunsch war, ist ein zweiter Termin die einzige Möglichkeit.

Der dritte Fall ist der Ort. Manche Paare heiraten dort, wo die Familie ist, wünschen sich Bilder aber an einem Ort, der ihnen etwas bedeutet: am Meer, in den Bergen, in der Stadt, in der sie sich kennengelernt haben. Am Hochzeitstag ist das nicht möglich. An einem freien Samstag im Herbst schon.

Und ein vierter Fall, der selten genannt wird: wenn einer von euch am Hochzeitstag so aufgeregt war, dass er die Bilder nachher an sich selbst nicht mag. Das gibt es, und es ist kein Grund, sich damit abzufinden.

Eleganter Bräutigam in hellem Anzug mit Fliege und Anstecker steht in einem Getreidefeld
Eleganter Bräutigam in hellem Anzug mit Fliege und Anstecker steht in einem Getreidefeld

Wofür es sich nicht lohnt

Wenn euer Hochzeitstag gut lief, ihr eure Paarzeit hattet und die Galerie euch gefällt, dann bringt ein zweiter Termin wenig. Das ist keine Bescheidenheit, sondern eine ehrliche Einschätzung von jemandem, der daran verdienen würde. Ihr bekommt schöne Bilder, aber sie fügen dem, was ihr habt, nichts Neues hinzu.

Ein After-Wedding-Shooting holt außerdem nicht nach, was am Hochzeitstag inhaltlich fehlte. Wenn die Aufnahmen mit eurer Großmutter fehlen oder das Bild mit allen Gästen nie zustande kam, lässt sich das nicht nachstellen. Ein zweiter Termin ist ein Termin zu zweit. Alles, was mit Menschen zu tun hat, die an dem Tag dabei waren, bleibt weg.

Und wenn das Budget begrenzt ist, würde ich das Geld eher in die Stunden am Hochzeitstag stecken. Zwei zusätzliche Stunden Reportage bringen fast immer mehr als ein zweiter Termin, weil sie den Teil abdecken, der sich nicht wiederholt: die Feier.

Was die Bilder unterscheidet

Bilder vom Hochzeitstag tragen die Anspannung des Tages. Man sieht euch an, dass gerade etwas passiert ist. Das ist der Wert der Reportage und gleichzeitig ihre Grenze: Ich fotografiere, was geschieht, und ich habe selten die Ruhe, ein Motiv zu Ende zu bauen.

An einem zweiten Termin ist es umgekehrt. Es gibt keine Gäste, keinen Fahrplan und niemanden, der auf euch wartet. Wir können zwanzig Minuten an einem Bild bleiben, das Licht abwarten, hundert Meter weitergehen, weil die Wiese dort besser ist. Die Bilder werden ruhiger und bewusster.

Beides zusammen ergibt ein vollständigeres Bild eurer Hochzeit als jedes für sich. Wer aber erwartet, dass der zweite Termin die Gefühle des ersten wiederholt, wird enttäuscht. Das Kleid ist dasselbe, die Aufregung ist es nicht.

Wann im Jahr, und wie lange

Es gibt keine Frist. Ich habe Shootings drei Wochen nach der Hochzeit gemacht und eines zum ersten Hochzeitstag, was ich besonders mag, weil dann etwas Abstand dazwischenliegt.

Die Jahreszeit dürft ihr frei wählen, und das ist der eigentliche Luxus. Eine Sommerhochzeit lässt sich mit Bildern im Nebel im November ergänzen, im ersten Grün im April oder im Schnee, wenn es denn welchen gibt. Wer im Winter geheiratet hat, bekommt die weite Landschaft im Sommer.

Zeitlich plane ich anderthalb bis zwei Stunden ein, meistens in die letzten Stunden vor Sonnenuntergang. Länger ist selten nötig. Nach zwei Stunden im Kleid ist ohnehin die Luft raus, und das sieht man den Bildern an.

Ein Brautpaar küsst sich, die Braut trägt ein weißes Kleid und Schleier, der Bräutigam einen dunklen Anzug, im Vordergrund ein Brautstrauß aus weißen Blüten
Ein Brautpaar küsst sich, die Braut trägt ein weißes Kleid und Schleier, der Bräutigam einen dunklen Anzug, im Vordergrund ein Brautstrauß aus weißen Blüten

Praktisches, an das niemand denkt

Das Kleid: Nach der Hochzeit landet es meist in der Reinigung. Klärt vorher, ob ihr es danach noch einmal tragen wollt, sonst hängt es fertig gereinigt und eingeschweißt im Schrank und die Frage, ob man es wieder auspackt, wird zu einer eigenen Diskussion. Ein Kleid, das schon einen langen Tag hinter sich hat, sieht auf Bildern übrigens nicht schlechter aus. Es fällt sogar oft besser.

Haare und Make-up: Die meisten machen es selbst, und das reicht völlig. Wenn ihr euch mit dem Ergebnis vom Hochzeitstag wohlgefühlt habt, lohnt sich der Termin beim selben Studio, allein wegen des Wiedererkennungseffekts in der Galerie.

Schuhe: Nehmt zwei Paar mit. Die schönen für die Bilder und die vernünftigen für die Wege dazwischen. Wenn wir an der Ruhr, auf einer Halde oder am Strand fotografieren, sind die Wege genau das, was sie sind.

Und wenn ihr an einen Ort weit weg wollt: Sagt mir früh Bescheid. Ein Termin mit Anfahrt oder Übernachtung braucht Planung, und die Wochenenden zwischen Mai und September sind bei mir am schnellsten weg.

Wie ich entscheiden würde

Schaut euch eure Galerie in Ruhe an und beantwortet eine einzige Frage: Fehlt etwas, oder hättet ihr nur gern mehr davon? Wenn etwas fehlt, macht den zweiten Termin. Wenn ihr nur gern mehr hättet, spart euch das Geld für den Druck, das Album oder eine Wand voller Bilder. Ein Bild an der Wand seht ihr jeden Tag, eine Datei mehr auf der Festplatte nicht.

Wie so ein Termin abläuft und was ich sage, damit ihr nicht steif dasteht, habe ich im Artikel über das Paarshooting beschrieben; für das After-Wedding-Shooting gilt das eins zu eins. Und falls ihr noch vor der Hochzeit steht und genau diese Enge im Zeitplan vermeiden wollt, hilft der Zeitplan für den Hochzeitstag.

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