Hochzeitsfotos

Hochzeitsfotos ohne Posen: Aufgaben funktionieren besser

Der Satz, den ich am häufigsten höre, lautet: Wir können das nicht, wir sind vor der Kamera völlig steif. Danach folgt meistens die Bitte um eine Liste mit Posen zum Üben. Ich schicke keine. Nicht aus Prinzip, sondern weil Üben genau das Problem verschärft, das ihr fürchtet. Was hilft, sind Aufgaben: kleine Dinge, die ihr tut, während ich fotografiere. Wer beschäftigt ist, hört auf, sich selbst zu beobachten, und sieht deshalb aus wie er ist.

Brautpaar in eleganter Kleidung tanzt sich in einem grünen Feld entgegen
Brautpaar in eleganter Kleidung tanzt sich in einem grünen Feld entgegen

Warum Posen bei den meisten Paaren scheitern

Eine Pose ist eine Anweisung an den Körper, eine Haltung einzunehmen und sie zu halten. Genau dieses Halten sieht man. Die Schultern gehen hoch, das Lächeln wird zur Muskelarbeit und der Blick sucht Bestätigung bei mir statt beim eigenen Partner. Nach fünf Sekunden erkennt man auf dem Bildschirm, dass hier jemand gewartet hat, dass es vorbei ist.

Dazu kommt: Posen sind Kopien. Sie stammen von einem anderen Paar, mit anderen Körpern und anderen Gewohnheiten. Wer sonst nie die Stirn an die Schulter legt, wirkt dabei fremd, egal wie schön das auf der Vorlage aussah. Und ihr sollt euch in zehn Jahren wiedererkennen, nicht die Vorlage.

Der dritte Punkt ist Zeitverlust. Anweisungen einzeln abzuarbeiten dauert lange, und die Geduld eines Paares an einem so langen Tag ist endlich. Nach zwanzig Minuten Korrektur will niemand mehr, und die Bilder sehen entsprechend aus.

Was ich stattdessen mache

Ich suche einen Platz mit brauchbarem Licht und ruhigem Hintergrund und gebe euch dann etwas zu tun. Geht diesen Weg entlang und erzählt euch, was heute Morgen schiefgegangen ist. Bleibt stehen, wenn ihr wollt. Dreht um. Mehr Regie ist das nicht, und mehr braucht es auch nicht.

Der Rest ist meine Arbeit: Ich wechsle die Position, statt euch umzustellen, und warte auf den Moment, in dem eine Bewegung ihren Höhepunkt hat. Aus einem Gang über zwanzig Meter entstehen so leicht fünfzehn brauchbare Aufnahmen, und keine davon fühlt sich für euch nach Arbeit an.

Manchmal korrigiere ich doch etwas, aber es sind immer Kleinigkeiten: Kinn ein Stück vor, Schultern locker, Blumenstrauß tiefer halten, damit er das Kleid nicht verdeckt. Das sind Handgriffe von zwei Sekunden, keine Haltungen zum Einfrieren.

Junges Paar umarmt sich lachend auf einem Waldweg bei Tageslicht
Junges Paar umarmt sich lachend auf einem Waldweg bei Tageslicht

Aufgaben, die bei fast jedem Paar funktionieren

Geht nebeneinander und lasst euch dabei nicht los. Der Klassiker, weil Gehen ein automatischer Ablauf ist, über den niemand nachdenken muss. Wer geht, hält nicht still, und wer nicht stillhält, wirkt nicht gestellt.

Stellt euch gegenüber, Stirn an Stirn, und sagt euch etwas so leise, dass ich es nicht verstehe. Ich stehe dabei bewusst weiter weg. Was ihr euch erzählt, geht mich nichts an, und genau deshalb funktioniert es.

Einer sagt dem anderen ins Ohr, was heute noch passiert. Oder du hebst sie hoch, wenn ihr das ohnehin gern tut. Oder ihr tanzt kurz ohne Musik. Aufgaben dürfen albern sein, das Lachen danach ist der eigentliche Grund für die Aufgabe. Wie so eine halbe Stunde zu zweit im Ablauf aussieht, habe ich im Beitrag über das Paarshooting beschrieben.

Brautpaar spaziert Hand in Hand durch eine grüne Landschaft mit blühendem Baum
Brautpaar spaziert Hand in Hand durch eine grüne Landschaft mit blühendem Baum

Was ihr vorher tun könnt und was nicht

Übt keine Posen vor dem Spiegel. Ihr trainiert damit exakt die Anspannung, die später stört. Was tatsächlich hilft, ist ein Termin vorab, bei dem wir uns kennenlernen und ihr merkt, wie ich arbeite. Beim zweiten Mal sind alle lockerer, das gilt für jeden Menschen.

Praktisch hilft außerdem: bequeme Schuhe für den Fotoabschnitt, ein Taschentuch, und der Verzicht auf große Handtaschen im Bild. Und plant den Abschnitt zu zweit nicht direkt nach dem Essen ein, sondern dann, wenn das Licht tief steht.

Wer trotzdem eine bestimmte Aufnahme im Kopf hat, soll sie mir zeigen. Ein oder zwei Wunschbilder bauen wir ein, das kostet zehn Minuten. Erst wenn eine Sammlung von dreißig Vorlagen abgearbeitet werden soll, wird aus eurem Hochzeitstag ein Fototermin, und das will am Ende niemand.

Häufige Fragen

Wir sind beide sehr unsicher vor der Kamera. Wird das trotzdem etwas?
Ja, und zwar zuverlässiger als bei Paaren, die sich für geübt halten. Unsicherheit verschwindet, sobald es etwas zu tun gibt. Nach den ersten Minuten redet ihr miteinander statt mit mir, und ab da entstehen die Bilder von selbst.
Müssen wir für Hochzeitsfotos posieren können?
Nein. Ihr müsst gehen, stehen und miteinander sprechen können, mehr verlange ich nicht. Alles, was nach Modelarbeit aussieht, mache ich bewusst nicht, weil es bei Menschen ohne Kameraerfahrung fast immer verkrampft wirkt.
Wie lange dauert der Teil, in dem wir zu zweit fotografiert werden?
Zwanzig bis dreißig Minuten reichen, wenn der Ort stimmt und wir nicht erst hinfahren müssen. Länger wird es meist nur, wenn ihr es selbst wollt. Für euren Zeitplan ist das eine gute Nachricht, denn dieser Block lässt sich leicht unterbringen.
Können wir Bilder mitbringen, die uns gefallen?
Sehr gern, zwei oder drei sagen mir mehr über euren Geschmack als jede Beschreibung. Ich baue sie ein, wo es passt. Als vollständige Abarbeitungsliste taugen sie nicht, weil euer Licht, eure Location und eure Zeit andere sind als auf der Vorlage.
Wohin mit den Händen auf den Fotos?
Die Frage kommt in jedem Vorgespräch. Die Antwort ist unbefriedigend einfach: Gebt den Händen etwas zu tun, dann erledigt sich das. Am Arm des anderen, am Kragen, am Brautstrauß. Sobald ihr in Bewegung seid, denkt niemand mehr über Hände nach.
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