Hochzeitsfotos

Getting Ready: die erste Stunde des Hochzeitstages

Getting Ready heißt schlicht: das Fertigmachen am Morgen. Es ist der Teil des Tages, den Paare beim Planen am ehesten kürzen wollen, und der Teil, aus dem hinterher überraschend viele Lieblingsbilder stammen. Der Grund ist einfach. Später wird es voll, laut und schnell. Am Vormittag sind wenige Menschen im Raum, alle sind auf eine Sache konzentriert, und das Licht kommt aus einem einzigen großen Fenster. Ruhiger wird es an diesem Tag nicht mehr.

Bräutigam in blauem Anzug bindet sich vor einem großen Fenster die Lederschuhe
Bräutigam in blauem Anzug bindet sich vor einem großen Fenster die Lederschuhe

Warum die stillsten Bilder morgens entstehen

In der Vorbereitung passiert etwas, das später fehlt: Es gibt Pausen. Jemand sitzt und wartet, während an den Haaren gearbeitet wird. Die Mutter steht in der Tür und sagt nichts. Eine Freundin trägt das Kleid durch den Flur und niemand redet dabei. Solche Momente lassen sich nicht herstellen, sie entstehen nur, wo wenig los ist.

Dazu kommt die Anspannung, die man auf Bildern sehen kann. Am Morgen ist sie noch da, ungefiltert, und sie macht Gesichter interessant. Nach der Trauung ist alles Erleichterung, das ist schön, aber weniger vielschichtig.

Ich fange in dieser Phase bewusst leise an. Erst die Dinge, dann die Menschen: Kleid, Schuhe, Ringe, Einladung. Bis ich näher komme, haben sich alle daran gewöhnt, dass jemand mit einer Kamera im Raum ist. Wer gleich in der ersten Minute in Gesichter hält, macht sich diese Phase kaputt.

Braut in weißem Hochzeitskleid sitzt lächelnd und zieht ihre Schuhe an
Braut in weißem Hochzeitskleid sitzt lächelnd und zieht ihre Schuhe an

Der Raum entscheidet, nicht die Kamera

Sucht euch den Platz mit dem größten Fenster und macht euch dort fertig. Tageslicht von der Seite ist das freundlichste Licht, das es gibt, und es kostet nichts. Ein Stuhl anderthalb Meter vor dem Fenster, das Gesicht zum Licht gedreht, mehr Aufbau braucht es für gute Porträts nicht.

Was Bilder dagegen zuverlässig ruiniert: Deckenlampen mit gelbem Kunstlicht, die gleichzeitig mit dem Tageslicht brennen. Zwei verschiedene Lichtfarben in einem Raum machen Haut fleckig, und das lässt sich später nur mit Verlusten reparieren. Macht die Lampen aus, sobald es draußen hell genug ist.

Wenn das Zimmer sehr klein ist, ist das kein Problem. Ich arbeite oft in Badezimmern und Fluren. Problematisch sind nur fensterlose Räume, und in dem Fall weiche ich mit euch für zehn Minuten dorthin aus, wo es hell ist.

Was ihr vorher aufräumen solltet

Ein aufgeräumter Hintergrund ist der größte Hebel, den ihr selbst in der Hand habt. Kleiderbügel, Verpackungen, Kosmetiktaschen, Kaffeetassen, Sektgläser vom Vorabend: All das landet sonst auf Bildern, auf denen ihr euch später nur noch darüber ärgert. Zehn Minuten Räumen vor meiner Ankunft ersetzen jede Bildbearbeitung.

Legt außerdem die Dinge zusammen, die ich am Anfang fotografiere. Ringe, Schuhe, Parfüm, Schmuck, Einladungskarte, der Anstecker. Wenn das an einer Stelle liegt, brauche ich dafür wenige Minuten. Wenn ich es aus vier Zimmern zusammensuchen muss, geht davon die halbe Stunde ab, die euch später fehlt.

Und hängt das Kleid nicht an den Fensterrahmen. Gegen ein helles Fenster fotografiert wird jedes weiße Kleid zu einer strukturlosen Fläche. Eine Tür, ein Schrank oder ein Haken an einer ruhigen Wand sind besser, seitlich zum Licht.

Weiße Brautschuhe, Trauringe, Parfümflasche und Brautstrauß auf Holzuntergrund
Weiße Brautschuhe, Trauringe, Parfümflasche und Brautstrauß auf Holzuntergrund

Wie viel Zeit dieser Teil braucht

Rechnet mit anderthalb Stunden, wenn ich beide Seiten fotografieren soll, also getrennt Braut und Bräutigam. Bei nur einer Seite reicht eine gute Stunde. Der entscheidende Punkt ist der Schluss: Ich möchte die letzten Handgriffe dabeihaben, das Anziehen des Kleides, das Binden der Fliege, den ersten Blick in den Spiegel.

Plant den Puffer davor ein, nicht danach. Haare und Make-up laufen fast immer länger als abgesprochen, und wenn ich dann noch dreißig Minuten Bilder brauche, wird es eng bis zum Standesamt. Ein Puffer von zwanzig Minuten vor dem Losfahren nimmt dem ganzen Vormittag die Hektik.

Ob ihr euch gemeinsam oder getrennt fertig macht, ist Geschmackssache. Gemeinsam spart Zeit und wird lockerer, getrennt erzeugt die Spannung auf das erste Sehen. Beides funktioniert, ich richte mich nach eurem Ablauf und sage euch beim Vorgespräch, was das jeweils für die Uhrzeiten bedeutet.

Schwarz-Weiß-Porträt einer lächelnden Braut mit welligem Haar
Schwarz-Weiß-Porträt einer lächelnden Braut mit welligem Haar

Häufige Fragen

Wann sollte der Fotograf morgens dazukommen?
Etwa eine Stunde vor dem Losfahren zum Standesamt oder zur Kirche. Dann sind Haare und Make-up fast fertig, es liegt aber noch genug vor uns: Kleid, Schuhe, Schmuck und die letzten Minuten, bevor es losgeht.
Muss ich schon geschminkt sein, wenn ihr kommt?
Nicht zwingend, aber die meisten fühlen sich wohler damit. Ich fange ohnehin mit den Dingen an, nicht mit Porträts. Sagt mir einfach, ab wann ich näher kommen darf, daran halte ich mich ohne Rückfrage.
Sollen wir uns getrennt oder zusammen fertig machen?
Beides funktioniert. Getrennt bleibt die Spannung auf das erste Sehen erhalten, gemeinsam wird der Vormittag ruhiger und ihr spart Fahrzeit. Wenn ihr getrennt plant und beide Seiten Bilder wollt, braucht es entsprechend mehr Zeit im Plan.
Unser Zimmer ist klein und unaufgeräumt. Ist das ein Problem?
Die Größe nicht, die Unordnung schon ein wenig. Räumt die Fläche frei, die im Bild hinter euch liegt, das genügt. Ich arbeite gern in kleinen Räumen, sie zwingen zu Nähe und die Bilder werden dadurch persönlicher.
Lohnt sich Getting Ready auch beim kleinen Paket?
Das hängt von eurer Uhrzeit ab. Sechs Stunden reichen für Vorbereitung, Trauung, Gruppenbilder und einen Teil der Feier, wenn ihr am späten Vormittag anfangt. Bei früher Trauung und später Party solltet ihr überlegen, welchen Rand des Tages ihr wichtiger findet.
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