Standesamtlich heiraten

Standesamtliche Trauung: Ablauf, Anmeldung und Trauorte

Die standesamtliche Trauung ist der Moment, in dem ihr rechtlich Eheleute werdet. Alles andere an eurem Hochzeitstag ist Feier, dieser Teil ist die Ehe selbst. Ich stehe als Fotograf seit über zweihundert Hochzeiten in Trauzimmern zwischen Rathausfluren und Schlosssälen, und dieser Ratgeber sammelt, was Paare vorher wissen wollen: wie die Anmeldung funktioniert, was am Tag selbst passiert und welche Trauorte die Städte im Ruhrgebiet anbieten.

Kuss des Brautpaars, im Vordergrund ein Strauß aus weißen Blüten
Kuss des Brautpaars, im Vordergrund ein Strauß aus weißen Blüten

Die Anmeldung: wann, wo und mit welchen Unterlagen

Angemeldet wird die Eheschließung beim Standesamt des Ortes, in dem einer von euch mit Haupt- oder Nebenwohnsitz gemeldet ist. Heiraten dürft ihr danach überall in Deutschland. Das Wunsch-Standesamt muss also nicht euer Wohnort sein. Die Anmeldung ist frühestens sechs Monate vor dem Wunschtermin möglich, weil sie genau so lange gültig bleibt.

An Unterlagen verlangen die Standesämter im einfachsten Fall (beide volljährig, ledig, deutsche Staatsangehörigkeit) den Personalausweis oder Reisepass, eine aktuelle erweiterte Meldebescheinigung und eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister. Wer schon einmal verheiratet war, ein gemeinsames Kind hat oder eine ausländische Staatsangehörigkeit, braucht zusätzliche Nachweise. Verlasst euch dabei nicht auf Listen aus dem Internet, auch nicht auf diese: Verbindlich ist allein die Auskunft eures Standesamts, und die Anforderungen unterscheiden sich je nach Lebenslage erheblich.

Die Gebühren legt jede Stadt selbst fest. Die Anmeldung selbst kostet eine überschaubare Verwaltungsgebühr; teurer wird es, wenn ihr einen besonderen Trauort oder einen Termin außerhalb der üblichen Zeiten wählt. Dafür berechnen viele Städte einen Zuschlag. Konkrete Beträge nennen euch die Standesämter, und wo ich sie belegt habe, stehen sie in den Stadt-Artikeln weiter unten.

So läuft die Zeremonie ab

Aus der Sicht von jemandem, der dabei fotografiert: Rechnet für die eigentliche Zeremonie mit etwa zwanzig bis dreißig Minuten. Die Standesbeamtin oder der Standesbeamte begrüßt euch und eure Gäste, spricht meist einige persönliche Worte, stellt euch nacheinander die entscheidende Frage, und nach dem Ja folgen Ringtausch, Kuss und die Unterschriften. Manche Paare ergänzen einen kurzen Musikbeitrag oder eine Lesung. Fragt vorher, was euer Trauzimmer zulässt.

Trauzeugen sind seit vielen Jahren keine Pflicht mehr, aber die meisten Paare benennen welche, weil der Moment der Unterschrift zu den schönsten Bildern des Tages gehört. Die Plätze direkt neben euch sind dafür reserviert; alles Weitere ergibt sich aus der Größe des Raumes.

Zum Fotografieren: Fast überall darf fotografiert werden, aber die Spielregeln setzt die Person, die euch traut. Üblich ist, dass ich mich vor der Zeremonie kurz abstimme: wo ich stehen darf, ob ich mich bewegen kann, ob beim Ringtausch geblitzt wird (bei mir: nie). Diese zwei Minuten Absprache ersparen euch eine Trauung, in der die Kamera wichtiger wirkt als ihr.

Trauzimmer oder Ambiente-Trauort?

Jedes Standesamt hat sein reguläres Trauzimmer, meist im Rathaus. Daneben bieten viele Städte im Ruhrgebiet Ambiente-Trauorte an: Schlösser, Zechengebäude, Industriedenkmäler, in denen Standesbeamte zu festen Terminen trauen. Der Unterschied für euch: mehr Platz für Gäste und eine Kulisse, die schon vor der Tür weitergeht, dafür ein Zuschlag auf die Gebühren und meist eine frühere Buchung, weil die Termine begrenzt sind.

Fotografisch sind beide Wege gut, nur verschieden. Das klassische Trauzimmer lebt von der Nähe: wenige Gäste, kurze Wege, alles konzentriert sich auf eure Gesichter. Die Ambiente-Orte geben Weite und Architektur dazu, verlangen aber Planung. Wer im Schloss heiratet und danach quer durch die Stadt zur Feier fährt, verliert die Stunde, in der das Licht am schönsten ist.

Welche Orte eure Stadt anbietet, mit Kapazitäten und Besonderheiten, steht in den Artikeln zu den einzelnen Standesämtern am Ende dieser Seite. Von Bochum über Gelsenkirchen bis Waltrop.

Termin sichern: die Reihenfolge, die funktioniert

Die verlässliche Reihenfolge ist: erst beim Standesamt nach freien Terminen fragen, dann Feier-Location und Dienstleister anfragen, dann anmelden, sobald das Standesamt es zulässt. Viele Städte veröffentlichen ihre Trautermine online oder vergeben sie über eine Terminbuchung; die begehrten Samstage zwischen Mai und September sind regelmäßig zuerst weg.

Mein Rat aus vielen Jahren im Kalender-Abgleich mit Paaren: Legt euch nicht auf ein einziges Wunschdatum fest, sondern auf zwei oder drei. Das entspannt jedes Gespräch. Mit dem Standesamt, mit der Location und mit mir. Und wenn euer Datum steht, fragt eure Dienstleister sofort an; ich nehme nur eine Hochzeit pro Tag an, und den anderen geht es ähnlich.

Die Standesämter der Region im Einzelnen

Häufige Fragen

Wie schnell bekommt man einen Termin auf dem Standesamt?
Das hängt an Stadt, Wochentag und Jahreszeit. Ein Dienstagvormittag im November ist oft kurzfristig zu haben, ein Samstag im Juni braucht in vielen Städten den vollen Vorlauf von sechs Monaten. Fragt früh nach. Unverbindlich geht das bei jedem Standesamt.
Was kostet eine standesamtliche Hochzeit?
Die Gebühren setzen die Städte selbst fest, deshalb gibt es keine bundesweite Zahl. Grob besteht die Rechnung aus der Anmeldegebühr, eventuellen Urkunden und einem Zuschlag für besondere Trauorte oder Randzeiten. Verbindliche Beträge nennt euch euer Standesamt.
Braucht man Trauzeugen im Standesamt?
Nein, gesetzlich sind Trauzeugen bei der Eheschließung nicht mehr vorgeschrieben. Ihr könnt bis zu zwei benennen, wenn ihr möchtet. Die meisten Paare tun es, schon weil dieser Platz an eurer Seite ein schönes Zeichen ist.
Darf im Standesamt fotografiert werden?
In aller Regel ja, aber die Entscheidung liegt bei der Standesbeamtin oder dem Standesbeamten. Ich stimme mich vor jeder Trauung kurz ab, arbeite ohne Blitz und bewege mich so, dass die Zeremonie im Mittelpunkt bleibt. Damit gab es in über zweihundert Hochzeiten keine Schwierigkeiten.
Kann man auch außerhalb des eigenen Wohnorts heiraten?
Ja. Angemeldet wird die Eheschließung beim Standesamt eures Wohnorts, getraut werden dürft ihr danach bei jedem Standesamt in Deutschland. Euer Wohnort-Standesamt leitet die Unterlagen an das Wunsch-Standesamt weiter.
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