Planung
Paarshooting: So läuft der Termin, wenn ihr ungern vor der Kamera steht
Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit

Der häufigste Satz in meinen Vorgesprächen lautet: Wir sind furchtbar vor der Kamera. Er kommt so zuverlässig, dass ich inzwischen darauf warte. Und er stimmt fast nie. Was stimmt, ist, dass die meisten Menschen keine Übung darin haben, fotografiert zu werden, und dass niemand ihnen bisher gesagt hat, was sie tun sollen. Beides lässt sich in einer Stunde ändern.
Warum sich das unangenehm anfühlt
Wir kennen unser Gesicht vor allem aus dem Spiegel, und das Spiegelbild ist seitenverkehrt. Ein Foto zeigt uns so, wie andere uns sehen, und das wirkt im ersten Moment falsch. Dazu kommt, dass die meisten Bilder von uns Handyfotos aus schlechter Perspektive sind. Wer daraus schließt, dass er auf Fotos nicht gut aussieht, hat nicht unrecht, aber er zieht den Schluss aus einer schlechten Stichprobe.
Der zweite Grund ist einfacher: Vor einer Kamera zu stehen, ohne eine Aufgabe zu haben, ist eine seltsame Situation. Man weiß nicht, wohin mit den Händen, das Lächeln wird nach vier Sekunden zur Grimasse, und je länger es dauert, desto steifer wird alles. Das ist keine Charakterfrage. Das passiert jedem, der nichts zu tun hat.
Meine Arbeit besteht deshalb zum größten Teil daraus, euch etwas zu tun zu geben. Nicht Posen, sondern Handlungen.

Die ersten zehn Minuten
Wir treffen uns, und ich fotografiere erst einmal nicht. Wir gehen ein Stück, ich frage, wie ihr euch kennengelernt habt, wer von euch beiden nervöser ist und wer die Idee mit dem Shooting hatte. Das ist kein Small Talk aus Höflichkeit, sondern der praktische Teil: Ich muss wissen, wie ihr miteinander sprecht, bevor ich fotografiere, wie ihr miteinander seid.
Die ersten Bilder, die ich mache, zeige ich euch bewusst nicht. Sie sind der Aufwärmteil, und wenn ihr sie seht, hängt ihr die nächste halbe Stunde daran fest. Ungefähr ab Minute zehn passiert dann meistens dasselbe: Einer von euch beiden vergisst kurz, dass ich da bin, und der andere reagiert darauf. Ab da wird es gut.
Ich sage euch das vorher, damit ihr wisst, dass der unangenehme Anfang dazugehört. Er dauert zehn Minuten, nicht die ganze Stunde.
Was ich sage, statt Posen anzusagen
Ich sage fast nie, wie ihr stehen sollt. Ich sage, was ihr tun sollt. Geht diesen Weg hinunter und bleibt am Ende stehen. Dreh dich zu ihr um, als hättest du etwas vergessen. Sag ihm etwas ins Ohr, das ich nicht hören soll. Umarmt euch und lasst euch dabei nicht los, wenn ich rede.
Daraus entstehen Bewegungen, und in Bewegungen sehen Menschen aus wie sie selbst. Ein Gesicht, das gerade lacht, weil der andere etwas Blödes gesagt hat, ist etwas völlig anderes als ein Gesicht, das seit zwanzig Sekunden lächelt, weil eine Kamera darauf zeigt.
Für die ruhigen Bilder brauche ich trotzdem Anweisungen, und die sind sehr konkret. Kinn ein Stück vor und leicht nach unten, Gewicht auf das hintere Bein, Schultern zurück, Hände irgendwo festmachen. Das klingt technisch, und das ist es auch. Der Unterschied ist, dass ich es euch sage, statt es von euch zu erwarten.
Und wenn etwas nicht funktioniert, sage ich das auch. Es gibt Paare, bei denen sieht die Umarmung von vorn steif aus und von der Seite großartig. Das merke ich nach drei Bildern, dann machen wir es anders.
Was ihr anziehen solltet
Die kürzeste Regel: etwas, das ihr schon einmal einen ganzen Abend lang getragen habt. Ein Kleidungsstück, das ihr zum ersten Mal anhabt, beschäftigt euch die ganze Zeit, und man sieht das.
Was auf Bildern gut funktioniert, sind ruhige Farben und Stoffe mit etwas Fall. Was schwierig ist: kleine Muster, große Schriftzüge, Neonfarben und dünnes Weiß bei Sonne. Kleine Muster flimmern, Schriftzüge ziehen den Blick zuerst an, und Neon färbt bei Sonne auf die Haut ab, was mich später Zeit in der Bearbeitung kostet.
Stimmt euch grob ab, ohne euch zu verkleiden. Zwei Menschen im selben Farbraum sehen zusammengehörig aus, zwei Menschen in identischen weißen Hemden sehen aus wie ein Katalog. Und denkt an die Schuhe: Wenn ich sage, wir gehen noch fünfzig Meter weiter, wo das Licht besser ist, dann sind das fünfzig Meter über Kopfsteinpflaster oder Wiese.

Wann und wo
Die beste Zeit ist die Stunde vor Sonnenuntergang. Das Licht kommt dann flach und weich von der Seite, und niemand kneift die Augen zusammen. Die zweitbeste Zeit ist ein bedeckter Tag zu jeder Stunde: Wolken sind die größte Softbox, die es gibt. Der schwierigste Termin ist die Mittagssonne im Sommer, und wenn es nicht anders geht, arbeite ich dann im Schatten von Häusern oder unter Bäumen.
Beim Ort entscheidet weniger die Schönheit als die Ruhe. Ein durchschnittlicher Park, in dem uns niemand zusieht, bringt bessere Bilder als eine spektakuläre Kulisse mit dreißig Menschen ringsherum, die zuschauen. Wenn ihr ohnehin nervös seid, ist Publikum das Letzte, was ihr braucht.
Wir brauchen selten mehr als eine Stunde. Danach lässt die Konzentration nach, und das sieht man den Bildern an. Zwei Orte in einer Stunde sind machbar, wenn sie nebeneinanderliegen. Drei Orte sind eine Autofahrt, keine Bilder.
Warum sich das vor der Hochzeit lohnt
Ein Paarshooting vor der Hochzeit hat einen praktischen Zweck, der über die Bilder hinausgeht: Ihr wisst am Hochzeitstag, wie ich arbeite, und ich weiß, wie ihr reagiert. Am Hochzeitstag habt ihr für die Bilder zu zweit oft nur zwanzig Minuten. Wenn davon zehn für das Aufwärmen draufgehen, bleibt wenig übrig. Wenn wir das schon hinter uns haben, sind es zwanzig gute Minuten.
Im Paket Luxury ist ein Shooting vorab enthalten. Wenn ihr nur das Shooting möchtet und noch nicht wisst, ob und wann ihr heiratet, ist das genauso in Ordnung; schreibt mir einfach, was ihr vorhabt. Was die Reportage am Hochzeitstag kostet und woraus sich der Preis zusammensetzt, steht im Artikel über die Kosten eines Hochzeitsfotografen.
Und falls euer Hochzeitstag schon vorbei ist und die Zeit für Bilder zu zweit gefehlt hat: Dafür gibt es das After-Wedding-Shooting.





