Planung
Der Zeitplan für den Hochzeitstag: Vom Getting Ready bis zum Tanz
Roland Hentschel · 6 Minuten Lesezeit

Fast jeder Zeitplan, den ich vor einer Hochzeit zu sehen bekomme, ist zu eng. Nicht falsch, nur zu eng: Jede einzelne Station ist knapp kalkuliert, und weil sich die Verspätungen addieren, steht am Abend eine Stunde Rückstand. Das lässt sich vermeiden, wenn man weiß, welche Punkte im Tag regelmäßig länger dauern als geplant. Das sind immer dieselben.
Getting Ready: früher anfangen, als es sich anfühlt
Haare und Make-up für die Braut dauern zusammen zwei bis drei Stunden, bei zusätzlichen Personen entsprechend länger. Rechnet für jede Trauzeugin oder Mutter, die mitgemacht wird, mindestens 45 Minuten dazu. Wer um 11 Uhr im Standesamt sein muss und um 8 Uhr anfängt, kommt in Eile ins Auto.
Ich komme in der Regel 60 bis 90 Minuten vor dem Ankleiden. In dieser Zeit fotografiere ich die Details, also Ringe, Schuhe, Kleid, Einladung, Parfum, und die letzten Schritte an Haaren und Make-up. Wenn ihr wollt, dass diese Bilder ruhig aussehen, braucht der Raum eine aufgeräumte Ecke am Fenster. Ein Zimmer mit sechs Koffern, Pizzakartons und Kleiderbügeln auf dem Bett ist fotografisch das, wonach es klingt.
Plant nach dem Ankleiden fünfzehn Minuten ein, in denen nichts passiert. Das ist der einzige Moment am ganzen Tag, an dem ihr angezogen, fertig und noch nicht in Bewegung seid. Aus diesen fünfzehn Minuten kommen sehr oft die besten Porträts des Tages.

Der Weg zur Trauung
Für jede Fahrt gilt bei mir dieselbe Rechnung: reine Fahrzeit plus zwanzig Minuten. Diese zwanzig Minuten sind Einsteigen, Parkplatzsuche, das Warten auf die zwei Autos, die falsch abgebogen sind, und das Sammeln der Gruppe vor der Tür.
Seid mindestens zwanzig Minuten vor dem Termin am Standesamt. Nicht wegen der Bilder, sondern weil dort meistens vor euch noch ein Paar dran ist und weil eure Gäste ankommen wollen, bevor ihr hineingeht. Wenn ihr zeitgleich mit dem letzten Gast eintrefft, fehlt der Teil des Tages, an dem alle euch zum ersten Mal sehen.
Bei einer freien Trauung im Freien kommt eine zusätzliche Frage dazu: Wann wird aufgebaut, und wann ist die Fläche fertig? Ich habe mehr als einmal Stühle fotografiert, die noch im Transporter standen, während die Gäste bereits kamen.
Trauung, Gratulieren, Gruppenbilder
Eine standesamtliche Trauung dauert zwanzig bis fünfzig Minuten, eine freie Trauung meist 45 bis 60, eine kirchliche Trauung mit Messe kann eine Stunde und mehr dauern. Fragt danach, statt zu schätzen; der Unterschied entscheidet über den Rest des Nachmittags.
Danach kommt der Punkt, den fast jeder Plan vergisst: das Gratulieren. Vierzig Gäste, die euch nacheinander umarmen und ein paar Sätze sagen, brauchen zwanzig bis dreißig Minuten. Achtzig Gäste brauchen fast eine Stunde. Das sind schöne Bilder und ein wichtiger Teil des Tages, aber sie stehen in keinem Plan.
Für Gruppenbilder rechne ich sechs bis acht Minuten je Gruppe, wenn jemand die Menschen zusammenruft, und deutlich länger, wenn nicht. Bei zehn Gruppen ist das eine gute Stunde. Meine Empfehlung: Schreibt vorher eine Liste, kürzt sie auf sechs bis acht Gruppen, und bestimmt eine Person, die alle beim Namen kennt und laut rufen kann. Ich kenne eure Familie nicht, ich kann niemanden holen.
Und legt die Gruppenbilder nicht ans Ende des Sektempfangs. Nach einer Stunde mit Getränken bekommt niemand mehr dreißig Leute in einer Reihe zusammen.
Die Paarzeit: zwanzig Minuten reichen, dreißig sind besser
Die Zeit nur zu zweit ist der Teil, den ich als Fotograf am dringendsten brauche und der als Erstes gestrichen wird, wenn es eng wird. Zwanzig Minuten sind das Minimum, mit dem ich etwas anfangen kann. Dreißig bis vierzig Minuten sind komfortabel, und mehr als eine Stunde bringt selten mehr Bilder, weil die Konzentration nachlässt.
Am besten liegt diese Zeit nicht direkt nach der Trauung, sondern etwas später, wenn die Aufregung abgefallen ist. Ein guter Moment ist das Ende des Sektempfangs oder die Zeit zwischen Kaffee und Abendessen. Im Sommer ist die Stunde vor Sonnenuntergang das beste Licht des Tages, und die liegt oft mitten im Essen. Zwanzig Minuten Abwesenheit vom Tisch merkt niemand, wenn ihr es vorher ankündigt.
Wenn euch die Vorstellung unangenehm ist, vor der Kamera zu stehen: Das ist der Normalfall, und ich habe dazu einen eigenen Text geschrieben, das Paarshooting.

Essen, Reden, Programm
Ein Menü mit drei Gängen dauert mit Bedienung zwei bis zweieinhalb Stunden, ein Büfett anderthalb bis zwei. Reden und Programmpunkte kommen obendrauf, und sie sind der zweite große Zeitfresser des Abends. Vier Reden zu je zehn Minuten sind vierzig Minuten, aber Reden werden fast immer länger als angekündigt.
Sammelt die Programmpunkte bei einer Person, meistens den Trauzeugen, und lasst sie die Reihenfolge festlegen. Ohne diese Person kommen die Beiträge in zufälliger Folge, mitten in den Hauptgang oder alle gleichzeitig um 22 Uhr.
Ich esse übrigens gern zeitgleich mit euch, und zwar aus einem praktischen Grund: In der Zeit, in der ihr esst, entstehen keine Bilder, die ihr später sehen wollt. Wenn ich später esse, fehle ich genau dann, wenn wieder etwas passiert.
Der Eröffnungstanz und das Licht
Der Eröffnungstanz ist der Punkt, an dem sich das Tageslicht verabschiedet. Im Juni geht die Sonne gegen 21:45 Uhr unter, im September gegen 19:45 Uhr, im Dezember gegen 16:30 Uhr. Wenn der Tanz nach Sonnenuntergang stattfindet, arbeite ich mit dem Licht, das im Raum ist, plus eigenem Licht.
Bittet euren DJ um zwei Dinge: kein Stroboskop während des Tanzes und keine Nebelmaschine auf voller Stufe. Beides sieht im Raum gut aus und ruiniert die Bilder zuverlässig. Etwas Nebel ist großartig, weil er die Lichtstrahlen sichtbar macht. Eine volle Halle Nebel ist eine graue Fläche.
Wenn ihr eine begrenzte Stundenzahl gebucht habt, überlegt genau, wo die letzte Stunde liegen soll. Nach dem Eröffnungstanz und den ersten dreißig Minuten Party gleichen sich die Bilder stark. Ich empfehle meistens, bis eine halbe Stunde nach dem Tanz zu bleiben und die Stunde davor lieber in die Paarzeit zu stecken.
Ein Beispieltag in Zahlen
So sieht ein Tag aus, der funktioniert, bei einer Trauung um 13 Uhr und einer Feier am selben Ort: 8:30 Uhr Beginn Haare und Make-up, 10:30 Uhr komme ich dazu, 11:30 Uhr Ankleiden, 11:45 Uhr die ruhige Viertelstunde, 12:15 Uhr Abfahrt, 12:40 Uhr Ankunft am Standesamt, 13 Uhr Trauung, 13:35 Uhr Gratulation, 14:15 Uhr Gruppenbilder, 15 Uhr Kaffee und Kuchen, 16:15 Uhr Paarzeit, 17 Uhr zurück bei den Gästen, 18 Uhr Essen, 20:30 Uhr Reden und Programm, 21:30 Uhr Eröffnungstanz.
Zwischen diesen Punkten stecken drei Puffer, die ich für unverzichtbar halte: eine Viertelstunde nach dem Ankleiden, zwanzig Minuten nach der Trauung und eine halbe Stunde vor dem Eröffnungstanz. Wenn der Tag glatt läuft, habt ihr eine gute Stunde Zeit gewonnen, in der nichts passieren muss. Genau diese Stunde ist es, aus der die Bilder kommen, an denen ihr später hängenbleibt.
Wenn ihr eure Reportage plant und nicht wisst, ob sechs, acht oder zehn Stunden richtig sind: Legt euren Plan neben die Übersicht der Pakete. Meistens beantwortet sich die Frage von selbst, sobald die Uhrzeiten stehen. Woraus sich der Preis zusammensetzt, steht im Artikel über die Kosten eines Hochzeitsfotografen.






