Hochzeitsfotos

First Look: das erste Sehen vor der Trauung

Der First Look ist ein verabredetes erstes Sehen: Ihr trefft euch vor der Trauung an einem ruhigen Ort, fertig angezogen, ohne Gäste, ohne Zuschauer. Aus den Vereinigten Staaten kommend hat sich der Ablauf inzwischen auch hier verbreitet, und ich werde bei fast jedem Vorgespräch danach gefragt. Meine Antwort fällt je nach Paar unterschiedlich aus, denn der First Look löst zwei echte Probleme und schafft gleichzeitig eines. Hier steht beides, damit ihr selbst entscheiden könnt.

Brautpaar schaut sich verliebt an, die Braut hält einen Blumenstrauß
Brautpaar schaut sich verliebt an, die Braut hält einen Blumenstrauß

Wie ein First Look abläuft

Einer von euch steht mit dem Rücken zum Weg, meistens der Bräutigam. Der andere kommt langsam heran, tippt auf die Schulter, und dann dreht sich der Wartende um. Danach passiert eine ganze Weile nichts, was ich steuere. Ihr habt zwei bis drei Minuten für euch, ich fotografiere aus einigem Abstand mit langer Brennweite.

Der Ort sollte geschützt sein: eine Hausecke, ein Innenhof, ein Waldweg, notfalls die Rückseite des Gebäudes, in dem später gefeiert wird. Wichtig ist, dass niemand zufällig vorbeiläuft und dass ihr nicht in der prallen Mittagssonne steht. Fünf Minuten Vorbereitung reichen dafür.

Wer dabei ist, entscheidet ihr. In der Regel sind es nur ihr zwei und ich. Manche nehmen die Trauzeugen mit, weil sie ohnehin beim Fertigmachen dabei waren. Ab vier Zuschauern kippt die Stimmung allerdings schnell in Richtung Publikum, und dann bleibt vom eigentlichen Moment wenig übrig.

Was für den First Look spricht

Der erste Grund ist die Anspannung. Viele Paare beschreiben den Vormittag als das nervöseste Stück des Tages. Sich vor der Trauung kurz zu sehen, nimmt genau diesen Druck heraus. Was danach in der Zeremonie passiert, ist deshalb erfahrungsgemäß nicht weniger emotional, eher im Gegenteil, weil beide nicht mehr unter Hochspannung stehen.

Der zweite Grund ist die Uhr. Ohne First Look drängt sich alles zwischen Trauung und Essen: Gratulation, Gruppenbilder, Paarfotos, Sektempfang. Mit First Look habt ihr den größten Teil der Zweierbilder schon im Kasten und könnt nach der Trauung bei euren Gästen bleiben, statt eine halbe Stunde zu verschwinden. Wie sich das im Tagesablauf auswirkt, zeigt der Zeitplan für den Hochzeitstag.

Der dritte Grund betrifft Kleid und Frisur. Alles ist frisch, nichts ist zerdrückt, das Make-up hat noch keine Träne gesehen. Wer Wert auf Porträts legt, bekommt sie zu diesem Zeitpunkt in ihrer besten Fassung.

Brautpaar steht unter einer großen Kiefer und blickt sich an
Brautpaar steht unter einer großen Kiefer und blickt sich an

Was dagegen spricht

Der Einwand ist berechtigt und kommt fast immer zuerst: Der Moment beim Einzug ist dann nicht mehr der erste. Wer sich seit Jahren vorstellt, wie der eine den anderen zum ersten Mal im Kleid am Ende des Ganges sieht, sollte diesen Moment nicht vorwegnehmen. Das lässt sich nicht wiederholen und auch nicht nachdrehen.

Dazu kommt der Aufwand am Vormittag. Beide müssen früher fertig sein, oft eine Stunde früher als sonst, und das kollidiert mit Haare, Make-up und Anfahrt. Bei knappen Vormittagen wird der First Look zum Stressfaktor statt zur Entlastung, und dann ist er das Gegenteil dessen, wofür er gedacht war.

Und es gibt Traditionen. In manchen Familien gilt es als ausgemacht, dass sich Braut und Bräutigam vor der Zeremonie nicht sehen. Wenn ihr damit Diskussionen auslöst, die euch den Morgen verderben, ist der Preis zu hoch für ein paar zusätzliche Bilder.

Wie ich einen First Look fotografiere

Ich stehe seitlich, nicht zwischen euch. Der erste Blick gehört euch, nicht meinem Objektiv. Aus der Seitenposition bekomme ich beide Gesichter im selben Bild, und ihr habt niemanden vor der Nase, der euch anschaut.

Gesprochen wird von mir in diesen Minuten fast nichts, außer der Ansage vorher, wo ihr steht und wann es losgeht. Danach bin ich still. Fast alle Paare fangen von selbst an zu reden, und das ist der Punkt, an dem die Bilder entstehen, die später niemand mehr für gestellt hält.

Im Anschluss nutze ich die Gelegenheit gleich weiter: Wenn ihr ohnehin zu zweit an einem ruhigen Ort steht, hängen wir zwanzig Minuten Paarbilder direkt an. Damit ist dieser Block erledigt, bevor der offizielle Teil überhaupt begonnen hat.

Bräutigam küsst zärtlich die Stirn seiner Braut mit Schleier
Bräutigam küsst zärtlich die Stirn seiner Braut mit Schleier

Häufige Fragen

Nimmt der First Look dem Einzug seine Wirkung?
Er verändert ihn. Die Überraschung ist vorweggenommen, die Rührung meistens nicht. Viele Bräutigame reagieren beim Einzug sogar deutlicher, weil sie nicht mehr vor Nervosität erstarrt sind. Wem der klassische Moment am Altar heilig ist, der sollte trotzdem darauf verzichten.
Wie viel Zeit müssen wir für einen First Look einplanen?
Für das Sehen selbst reichen zehn Minuten. Realistisch plant ihr vierzig ein, weil Anfahrt, Aufstellen und die anschließenden Paarbilder dazukommen. Diese Zeit holt ihr am Nachmittag wieder herein, weil der Block nach der Trauung dann entfällt.
Wo findet ein First Look am besten statt?
An einem Ort ohne Publikum und ohne harte Mittagssonne. Ein Innenhof, ein Stück Park hinter dem Standesamt oder der Garten der Unterkunft genügen völlig. Ich schaue mir das vorher an und sage euch, welche Ecke bei eurer Uhrzeit im Schatten liegt.
Können Trauzeugen oder Eltern beim First Look dabei sein?
Können sie, sollten es aber in kleiner Zahl. Zwei vertraute Menschen im Hintergrund stören nicht. Sobald eine Gruppe zuschaut und filmt, wird aus dem privaten Moment eine kleine Aufführung, und genau das soll der First Look ja vermeiden.
Lohnt sich ein First Look auch bei einer kleinen Hochzeit?
Bei sehr kleinen Feiern ohne kirchliche Trauung oft besonders. Wenn der offizielle Teil nur zwanzig Minuten dauert, fehlt sonst schlicht die ruhige Phase zu zweit. Der First Look schafft sie, ohne dass ihr eure Gäste später warten lasst.
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