Planung

Winterhochzeit: Kurze Tage, warme Räume, andere Bilder

Roland Hentschel · 6 Minuten Lesezeit · Aktualisiert am 31. August 2026

Bräutigam umarmt die lachende Braut von hinten, vor braunem Hintergrund
Bräutigam umarmt die lachende Braut von hinten, vor braunem Hintergrund

Im Dezember geht die Sonne gegen 16:30 Uhr unter. Das ist die eine Zahl, die eine Winterhochzeit von jeder Sommerhochzeit unterscheidet, und sie verschiebt fast alles: wann ihr anfangt, wann die Bilder zu zweit liegen, wie lange draußen überhaupt etwas geht. Wer das einmal durchrechnet, bekommt einen ruhigen Tag. Wer es übersieht, steht um vier Uhr im Dunkeln und wundert sich.

Rechnet den Tag vom Sonnenuntergang aus

Bei einer Sommerhochzeit plant man vorwärts: Getting Ready, Trauung, Feier, und das Licht hält bis in den Abend. Im Winter plane ich rückwärts. Der letzte brauchbare Moment draußen ist etwa eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang, alles Weitere wird Innenraum. Von diesem Punkt aus lege ich die Bilder zu zweit, davor die Gruppenbilder, davor die Trauung.

Praktisch heißt das für eine Trauung im Dezember: Ein Termin um 11 Uhr lässt euch Zeit für alles. Ein Termin um 15 Uhr bedeutet, dass die Bilder zu zweit im Dunkeln stattfinden oder gar nicht. Das ist keine Katastrophe, aber es ist eine Entscheidung, die ihr bewusst treffen solltet und nicht aus Versehen.

Im Januar und Februar wird es früh dunkel, aber die Tage werden schon wieder länger; im November ist es umgekehrt. Fragt beim Standesamt nach den Uhrzeiten, die überhaupt vergeben werden, bevor ihr die Feier festlegt. Wie sich der Rest des Tages verteilt, steht im Zeitplan für den Hochzeitstag.

Jemand hilft dem Bräutigam beim Binden der Schuhe, Schwarzweiß
Jemand hilft dem Bräutigam beim Binden der Schuhe, Schwarzweiß

Das Licht, mit dem ich im Winter arbeite

Die gute Nachricht zuerst: Winterlicht ist schön. Die Sonne steht den ganzen Tag tief, das heißt, ihr habt streifendes Licht wie sonst nur zur goldenen Stunde, und zwar von zehn Uhr morgens an. An einem klaren Wintertag sind die Stunden um die Mittagszeit die besten des ganzen Jahres.

Die andere Nachricht: Es ist wenig davon da, und bei Hochnebel im Revier verschwindet es ganz. Dann arbeite ich drinnen an den Fenstern und mit eigenem Licht. Ich bringe dafür immer Technik mit, aber ich setze sie so ein, dass man sie nicht sieht: kein aufgesetzter Blitz, der die Stimmung des Raums wegnimmt, sondern Licht, das aussieht, als käme es von der Lampe, die ohnehin dort steht.

Für euch heißt das: Sucht bei der Besichtigung nach großen Fenstern und fragt, wie der Raum um eure Uhrzeit aussieht. Ein Saal mit Fenstern nach Westen ist um 15 Uhr im Dezember ein anderer Raum als um 11 Uhr im Juni.

Räume, die im Winter tragen

Ein Raum trägt im Winter, wenn er drei Dinge kann: genug Tageslicht für Bilder ohne Blitz, Platz für alle Gäste gleichzeitig und einen zweiten überdachten Bereich neben dem Saal, in den man ausweichen kann. Der dritte Punkt wird fast immer vergessen und ist der wichtigste, weil im Winter niemand mal eben rausgeht.

Im Revier gibt es dafür zwei Sorten Häuser. Die großen Hallen aus Stahl und Backstein sind wetterunabhängig, brauchen aber Heizung und schlucken Licht. Historische Häuser mit Kaminen bringen Wärme und weiches Licht mit, fassen dafür weniger Gäste. Ein Beispiel für die zweite Sorte ist Schloss Horst in Gelsenkirchen, wo bei Kerzenlicht getraut wird; mehr dazu in den Hochzeitslocations in Gelsenkirchen.

Fragt in jedem Fall nach der Heizung und danach, ab wann sie läuft. Ein Saal, der erst ab 16 Uhr geheizt wird, ist um 14 Uhr kalt, und Gäste mit Jacke über dem Anzug sehen auf Bildern aus wie Gäste mit Jacke über dem Anzug.

Schwarzweiß-Aufnahme: Die Braut lehnt lächelnd an der Schulter des Bräutigams, hinter ihnen hohe Bäume
Schwarzweiß-Aufnahme: Die Braut lehnt lächelnd an der Schulter des Bräutigams, hinter ihnen hohe Bäume

Was ihr anzieht, und was das mit Bildern zu tun hat

Die häufigste Sorge betrifft die Kälte, und sie ist berechtigt: Zwanzig Minuten draußen im Dezember sind für ein schulterfreies Kleid eine lange Zeit. Es gibt zwei Lösungen, und beide funktionieren. Entweder ihr nehmt etwas Warmes dazu, das gut aussieht, also einen Mantel, eine Stola, eine Jacke aus Wolle. Oder wir gehen mehrmals kurz raus statt einmal lang.

Ich bevorzuge die zweite Variante. Drei Ausflüge zu je sieben Minuten bringen mehr verschiedene Bilder als eine halbe Stunde am Stück, und niemand friert. Sagt mir vorher, wenn ihr empfindlich seid, dann plane ich es von vornherein so.

Was auf Winterbildern gut funktioniert, sind kräftige Farben und Stoffe mit Struktur. Was schwierig ist: dünnes Weiß bei Schnee, weil die Kamera dann zwei sehr helle Flächen gegeneinander abwägen muss. Kein Grund, etwas anderes zu tragen, nur ein Grund, warum ich in solchen Momenten anders belichte.

Schnee, und warum ich ihn nicht verspreche

Paare, die im Winter heiraten, wünschen sich fast immer Schnee. Im Ruhrgebiet ist die Wahrscheinlichkeit dafür an einem bestimmten Tag gering, und darauf zu planen wäre unehrlich. Was ihr sicher bekommt, ist kahles Geäst, Nebel, tiefes Licht und früh brennende Lampen, und das ist fotografisch mehr wert, als es klingt.

Wenn Schnee liegt, ändert sich mein Vorgehen: Ich suche Spuren, die noch niemand zertreten hat, und ich arbeite schnell, weil Schnee auf Schultern innerhalb von Minuten schmilzt. Und ich frage euch vorher, ob ihr bereit seid, nasse Schuhe in Kauf zu nehmen. Manche sind es begeistert, andere gar nicht, und beides ist in Ordnung.

Wer die Winterbilder mit Landschaft unbedingt möchte, aber nicht am Hochzeitstag frieren will, macht sie später in Ruhe. Wie das abläuft, steht im After-Wedding-Shooting.

Was für eine Winterhochzeit spricht

Der praktische Grund zuerst: Ihr habt die freie Auswahl. Zwischen November und März sind Locations, Rednerinnen und auch ich deutlich leichter zu bekommen als an einem Samstag im Juni, und die Preise mancher Häuser sind niedriger. Wer flexibel ist, bekommt im Winter das Haus, das im Sommer seit einem Jahr ausgebucht war.

Der fotografische Grund: Winterhochzeiten sehen anders aus als die meisten, die eure Gäste kennen. Kerzen, warme Räume, früh einsetzender Abend, Menschen, die enger zusammenrücken. Die Bilder haben einen Ton, den man im Juli nicht herstellen kann.

Wenn ihr einen Termin im Blick habt, fragt ihn einfach an; für Winterdaten reicht oft ein Vorlauf von wenigen Monaten. Was eine Begleitung kostet und woraus sich der Preis zusammensetzt, steht in den Kosten eines Hochzeitsfotografen.

Junge Braut im weißen Spitzenkleid lächelt vor warmem braunem Hintergrund
Junge Braut im weißen Spitzenkleid lächelt vor warmem braunem Hintergrund

Häufige Fragen zur Winterhochzeit

Wann ist bei einer Winterhochzeit das Licht weg?
Im Dezember geht die Sonne gegen 16:30 Uhr unter, der letzte brauchbare Moment draußen liegt etwa eine halbe Stunde davor. Plant den Tag von diesem Punkt rückwärts, dann liegen die Bilder zu zweit im Hellen.
Lohnt sich eine Hochzeit im Winter?
Wenn ihr flexibel seid, ja. Locations, Rednerinnen und Fotografen sind zwischen November und März leichter zu bekommen, manche Häuser sind günstiger, und die Bilder bekommen einen Ton, den man im Sommer nicht herstellen kann.
Wie warm zieht man sich als Brautpaar an?
Entweder etwas Warmes, das zum Kleid passt, also Mantel, Stola oder Wolljacke. Oder wir gehen dreimal sieben Minuten raus statt einmal dreißig. Die zweite Variante bringt mehr verschiedene Bilder und niemand friert.
Was ist, wenn kein Schnee liegt?
Dann bekommt ihr kahles Geäst, Nebel, tief stehendes Licht und früh brennende Lampen. Schnee ist im Ruhrgebiet an einem bestimmten Tag unwahrscheinlich, deshalb plane ich nie damit, sondern nehme ihn mit, wenn er da ist.
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