Planung
Hochzeit bei Regen: Der Plan, den fast niemand macht
Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit · Aktualisiert am 27. August 2026

Im Ruhrgebiet fällt an rund der Hälfte aller Tage im Jahr irgendwann Regen. Trotzdem habe ich bei ungefähr jeder dritten Hochzeit die Situation, dass es um 16 Uhr anfängt zu schütten und niemand einen Plan hat. Dann entstehen fünfzehn Minuten Ratlosigkeit, in denen alle aus dem Fenster schauen. Dieser Text sorgt dafür, dass ihr diese fünfzehn Minuten nicht braucht.
Warum Regen die Bilder nicht ruiniert
Das Erste, was ich Paaren sage, wenn die Vorhersage kippt: Der Tag wird nicht schlechter, er wird anders. Regen bringt Dinge mit, die Sonne nicht kann. Der Himmel wird zur größten Softbox, die es gibt, das Licht fällt weich und gleichmäßig, niemand kneift die Augen zusammen, und die Farben werden satt statt ausgewaschen.
Dazu kommt etwas, das sich schwerer beschreiben lässt: Regen drängt Menschen zusammen. Unter einem Schirm stehen zwei Personen näher beieinander als auf einer Wiese. Aus dieser Nähe entstehen Bilder, die an einem Sonnentag so nicht zustande kämen. Die Aufnahme, die Paare am häufigsten groß drucken lassen, stammt bei mir überdurchschnittlich oft von einem verregneten Tag.
Was Regen tatsächlich verhindert, sind die weiten Aufnahmen: ihr zwei klein im Bild, dahinter Landschaft. Wenn genau das euer Wunsch war, ist ein zweiter Termin die einzige Möglichkeit, und wann sich der lohnt, steht im After-Wedding-Shooting.

Der Regenplan besteht aus drei Antworten
Erstens: Welcher überdachte Ort steht uns zur Verfügung, ohne dass wir fahren müssen? Ein Torbogen, ein Foyer, eine Scheunentür, eine Tiefgarage mit gutem Licht, notfalls die Einfahrt der Location. Ich brauche keine schöne Kulisse, ich brauche ein Dach und Licht von der Seite. Zwei Quadratmeter reichen für die Bilder zu zweit.
Zweitens: Gibt es sechs bis acht große, einfarbige Schirme? Transparente sind die beste Lösung, weil sie das Licht durchlassen und die Gesichter nicht verschatten. Bunte Werbeschirme sind auf euren Bildern für immer bunte Werbeschirme. Legt sie ins Auto der Trauzeugen, nicht in den Kofferraum eines Gastes, der erst um 18 Uhr kommt.
Drittens: Wer sagt was, wenn es so weit ist? Meistens bin das ich, weil ich als Erster merke, dass sich das Licht ändert. Es hilft aber, wenn eure Trauzeugen wissen, dass die Ansage kommt, und wenn eine Person die Schirme verteilt, statt dass dreißig Leute gleichzeitig danach suchen.
Was ihr bei der Location vorher klärt
Die entscheidende Frage an jedes Haus lautet nicht, wie schön der Garten ist, sondern welcher Raum bei Regen bereitsteht. Verlangt den Namen des Raums und die Zahl der Personen, die hineinpassen, nicht die Auskunft, dass sich schon etwas finden wird. Ein Haus, das diese Frage nicht beantworten kann, hat sie sich noch nie gestellt.
Ein Zelt ist kein Innenraum. Ein weißes Zelt wird innen sehr hell und bei Bäumen daneben sehr grün, bei Regen ist es laut, und ein offener Pavillon ohne Seitenwände hält keinen Wind ab. Wenn im September der Wind quer durch die Bestuhlung geht, hilft nur eine Wand.
Fragt außerdem nach dem Weg, den ein Gast bei Regen von der Tür bis zum Tisch geht. Wenn dieser Weg über zwanzig Meter offenen Hof führt, kommen eure Gäste nass an, und das prägt die erste Stunde mehr als jede Deko. Für die Häuser im Revier habe ich das in den Hochzeitslocations im Ruhrgebiet durchbuchstabiert.

Wie ich bei Regen arbeite
Ich fotografiere weiter, nur näher. Statt der weiten Kulisse nehme ich Ausschnitte: Hände, Gesichter, der Saum des Kleids über nassem Pflaster, Regentropfen auf einem Schirm gegen das Licht. Solche Bilder erzählen den Tag genauso, sie erzählen ihn nur ehrlicher.
Wenn es nur nieselt, gehen wir raus. Fünf Minuten Nieselregen sehen auf Bildern nach gar nichts aus, machen aber die Luft klar und die Farben tief. Bei echtem Schauer arbeite ich unter dem Dach und warte auf die Lücke; im Revier dauert ein Schauer selten länger als eine Viertelstunde, und diese Viertelstunde kann man mit Sekt überbrücken.
Was ich brauche, ist eine Person, die den Schirm hält, während ich fotografiere. Meistens ist das ein Trauzeuge. Er steht dabei außerhalb des Bildes und hält den Schirm über euch, nicht über mich; meine Ausrüstung verträgt Wasser besser als euer Kleid.
Das Kleid, die Schuhe und der Boden
Nasser Rasen und Schleppe vertragen sich schlecht. Wenn ihr wisst, dass es regnet, plant für die Bilder zu zweit einen befestigten Untergrund ein: Pflaster, Kies, eine Halle, eine überdachte Terrasse. Ein Kleid, das unten braun ist, lässt sich zwar bearbeiten, aber nicht wegzaubern.
Nehmt ein zweites Paar Schuhe mit. Die schönen für die Bilder, die vernünftigen für den Weg dorthin. Gummistiefel unter dem Kleid sind kein Stilbruch, sondern der Grund, warum ihr am Abend noch tanzen könnt.
Und ein Handtuch. Ein einziges großes Handtuch im Auto der Trauzeugen hat schon mehr Hochzeitstage gerettet als jede Wetter-App. Damit trocknet ihr Bank, Mauer oder Stuhl, bevor sich jemand hinsetzt.
Was ich Paaren am Tag davor rate
Schaut die Vorhersage einmal an, am Vorabend, und dann nicht mehr. Ich habe Paare erlebt, die am Hochzeitsmorgen halbstündlich das Radar geöffnet haben, und keines von ihnen hat dadurch besseres Wetter bekommen. Was ihr beeinflussen könnt, sind Schirme, Ausweichraum und Schuhe. Der Rest ist entschieden.
Verschiebt die Zeiten nicht auf Verdacht. Ein Zeitplan, der am Morgen umgeworfen wird, kostet mehr, als der Regen einbringt. Wie viel Puffer ein Tag ohnehin braucht, steht im Zeitplan für den Hochzeitstag.
Und wenn ihr noch am Anfang der Planung steht: Fragt bei der Besichtigung nach dem Regenplan, bevor ihr über Farben sprecht. Was eine Begleitung kostet, steht offen in den Kosten eines Hochzeitsfotografen, und wenn euer Datum feststeht, fragt einfach an.

Häufige Fragen zur Hochzeit bei Regen
- Sind Hochzeitsfotos bei Regen schlechter?
- Nein, sie werden anders. Der bedeckte Himmel gibt weiches, gleichmäßiges Licht, niemand kneift die Augen zusammen, und unter einem Schirm entsteht Nähe. Was Regen verhindert, sind die weiten Landschaftsaufnahmen.
- Was braucht man für eine Hochzeit bei Regen?
- Einen überdachten Ort, den ihr ohne Fahrt erreicht, sechs bis acht große einfarbige oder transparente Schirme, ein zweites Paar Schuhe, ein großes Handtuch und eine Person, die die Schirme verteilt.
- Welche Schirme eignen sich für Hochzeitsfotos?
- Transparente Schirme sind am besten, weil sie Licht durchlassen und keine Schatten auf die Gesichter werfen. Danach kommen große einfarbige. Bunte Werbeschirme bleiben auf jedem Bild sichtbar.
- Wie viel Zeit sollte man bei Regen einplanen?
- Genauso viel wie sonst. Ein Schauer dauert im Ruhrgebiet selten länger als eine Viertelstunde, und die lässt sich mit Sekt überbrücken. Den Zeitplan am Morgen umzuwerfen kostet mehr, als der Regen einbringt.




