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6 Hochzeitslocations im Ruhrgebiet: eine je Stadt, ehrlich verglichen
Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit

Von außen sieht das Revier aus wie eine einzige Stadt, die niemand zu Ende gebaut hat. Wer hier fotografiert, merkt schnell, dass das nicht stimmt. Jede dieser Städte hat ihren eigenen Takt, ihre eigene Entfernungslogik und ihre eigene Vorstellung davon, wie ein Fest auszusehen hat. Dieser Text ordnet sechs Städte ein und nennt für jede genau einen Ort, an dem ihr Charakter am deutlichsten wird. Sechs Orte, nicht sechzig, weil eine ehrliche Auswahl mehr hilft als eine lange Liste.
Woran sich die Städte wirklich unterscheiden
Der Unterschied, der euren Tag am stärksten prägt, steht in keinem Prospekt: Es sind die Entfernungen. In einer kompakten Stadt liegen Trauung, Bilder und Feier innerhalb weniger Kilometer, und daraus entsteht am Nachmittag etwas Kostbares, nämlich Leerlauf. In einer weit auseinandergezogenen Stadt frisst derselbe Ablauf zwei Stunden Fahrzeit, und die fehlen genau da, wo die schönsten Aufnahmen entstünden.
Der zweite Unterschied ist die Bauart der Räume. Das Revier hat zwei Grundtypen: die große Halle aus Stahl und Backstein und das historische Haus mit Park. Die Halle nimmt eine Feier auch bei Dauerregen auf, schluckt aber Licht und fällt steil von oben ein. Das Haus mit Park bringt weiches Licht und Bäume mit, hat dafür selten Platz für hundertzwanzig Gäste bei schlechtem Wetter.
Der dritte Unterschied ist das Publikum. In manchen Städten ist eine Hochzeit ein förmliches Ereignis, in anderen wird spätestens nach dem zweiten Gang die Krawatte gelockert. Beides ist mir recht, aber es verändert, wie nah ich arbeite und wie viel ich vorher abspreche.

Dortmund: viel Auswahl, große Entfernungen
Dortmund ist die größte der sechs Städte und bietet entsprechend viel. Der Preis dafür steht auf der Landkarte: Zwischen einem Trauort in der Innenstadt und einem Fest im Süden liegt eine Fahrt, die im Zeitplan fast immer zu knapp bemessen ist. Wer sich hier auf zwei Orte beschränkt, gewinnt eine Stunde Leben zurück.
Mein Highlight für den Charakter der Stadt ist die Zeche Zollern in Bövinghausen mit ihrem Jugendstilportal an der Maschinenhalle. Sie zeigt, was das Revier von anderen Industrieregionen unterscheidet: Hier wurde nicht nur gebaut, hier wurde repräsentiert. Für Bilder ist das Portal einer der wenigen Orte, an denen Industrie und Eleganz in einem einzigen Motiv zusammenkommen.
Welche Häuser sonst infrage kommen, worauf ich bei Licht und Platz achte und wie ein Regenplan aussieht, steht ausführlich in den Hochzeitslocations in Dortmund.
Essen: die größten Gegensätze auf kurzer Strecke
Essen liefert innerhalb einer halben Autostunde Welterbe, Wasser und Villenpark. Diese Spannweite ist der Grund, warum viele Paare sich für die Stadt entscheiden, und gleichzeitig der Grund, warum hier mehr Zeitpläne kippen als anderswo. Die Stadt ist von Norden nach Süden lang, und jede Strecke dauert an einem Samstagnachmittag länger, als das Navigationsgerät verspricht.
Das eine Motiv, das für Essen steht, ist die Zeche Zollverein. Rost, Beton und die klaren Achsen der Anlage funktionieren bei jedem Wetter, und an einem grauen Tag sogar besser als bei Sonne, weil der Kontrast dann weicher ausfällt. Wer dort fotografieren möchte, klärt vorher die Regeln für Aufnahmen auf dem Gelände. Das dauert fünf Minuten und erspart eine unangenehme Unterbrechung mitten in der Paarzeit.
Trauorte, Parks, Wasser und die ehrlich gerechneten Wege dazwischen habe ich in den Hochzeitslocations in Essen zusammengestellt.
Bochum: kompakt, und das ist ein Argument
Bochum ist die Stadt, in der Wege selten zum Problem werden. Von der Innenstadt zu den meisten zentral gelegenen Häusern seid ihr in einer Viertelstunde, und wer im Süden Richtung Wasser feiert, plant einmal großzügiger und hat es hinter sich. Das klingt banal und entscheidet in der Praxis über die Stimmung am späten Nachmittag.
Die Jahrhunderthalle ist der Ort, der die Stadt am besten zeigt: Stahl, Höhe und eine Fläche, die eine komplette Feier auch dann aufnimmt, wenn es den ganzen Tag schüttet. Ich arbeite in solchen Hallen nah an den Fensterflächen und lasse die Tiefe des Raums hinter euch dunkel werden. Das ergibt Bilder, in denen ihr hell steht und die Halle als Ahnung dahinter bleibt.
Welche Bochumer Räume bei jedem Wetter tragen und welche eine Wette auf Sonne sind, steht in den Hochzeitslocations in Bochum.

Herne und Gelsenkirchen: zwei Schlösser, kurze Wege
Herne ist meine Heimatstadt, deshalb schreibe ich darüber vorsichtiger als über die anderen. Was hier zählt, sind nicht die Sehenswürdigkeiten, sondern die Nähe: Standesamt, Park und Feier liegen oft innerhalb weniger Kilometer. Der Ort, an dem das sichtbar wird, ist das Wasserschloss Strünkede mit seinem Park, wo Mauerwerk, Wasser und Baumkante auf kurzer Strecke nebeneinanderliegen. Mehr dazu steht in Heiraten in Herne.
Gelsenkirchen hat den Trauort, um den die Nachbarstädte die Stadt beneiden dürfen: Das zentrale Standesamt sitzt in Schloss Horst, getraut wird in historischen Sälen mit Kaminen, auf Wunsch bei Kerzenlicht. Das ist der wärmste Rahmen, den ich im Revier kenne, und gleichzeitig der lichtärmste, was für die Bilder heißt: ruhiger, körniger, näher an den Gesichtern.
Welche Orte in Gelsenkirchen sonst noch infrage kommen, von der Wasserburg bis zum Stadion, steht in den Hochzeitslocations in Gelsenkirchen.
Recklinghausen: Bergbau als Trauraum
Recklinghausen fällt aus der Reihe, weil die Stadt ihre Herkunft nicht nur als Kulisse benutzt, sondern als Trauraum. Das Fördermaschinenhaus einer alten Zeche ist heute ein Ort, an dem standesamtlich geheiratet wird, mit einer Fördermaschine aus dem Jahr 1967 im Zentrum der Halle.
Fotografisch ist das eine der klarsten Ansagen der Region. Ein Raum dieser Art nimmt jede Zurückhaltung aus dem Bild: Entweder ihr füllt ihn, oder er erzählt die Geschichte für euch. Mir gefällt die zweite Variante, weil sie ehrlich zeigt, wo dieser Tag stattfindet.
Die weiteren Trauräume der Stadt und die Plätze für die Bilder danach stehen in den Hochzeitslocations in Recklinghausen.
Wie ihr euch zwischen den Städten entscheidet
Fangt nicht bei der schönsten Kulisse an, sondern bei der Gästeliste und beim Wetter. Wie viele Menschen sollen dabei sein, und wo sitzen die alle, wenn es regnet? Erst danach lohnt die Frage, welcher Ort am besten aussieht. Ein Haus, das eure Zahl bei jedem Wetter trägt, rettet den Tag zuverlässiger als jedes Motiv.
Die zweite Frage ist die nach der Strecke. Zwei Orte an einem Tag sind entspannt, drei gehen, wenn sie in dieselbe Richtung liegen. Jeder Ortswechsel kostet die reine Fahrzeit plus zwanzig Minuten für Einsteigen, Sammeln und Wiederfinden der Gruppe.
Wenn ihr wisst, in welcher Stadt ihr feiert, schaut in den zugehörigen Beitrag und danach auf die Zahlen. Was eine Begleitung kostet und woraus sich der Preis zusammensetzt, steht in den Kosten eines Hochzeitsfotografen. Und wenn euer Datum schon feststeht, fragt es einfach direkt an, dann sage ich euch am selben Tag, ob es noch frei ist.





