Planung

Brautstrauß werfen: Wann, wo und warum es oft misslingt

Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit · Aktualisiert am 16. September 2026

Brautpaar küsst sich unter weißen Ballons, Braut hält roten Rosenstrauß, Gäste im Hintergrund
Brautpaar küsst sich unter weißen Ballons, Braut hält roten Rosenstrauß, Gäste im Hintergrund

Der Brautstraußwurf ist der Programmpunkt, der am häufigsten spontan entsteht und am seltensten gelingt. Nicht, weil er schwierig wäre, sondern weil er meistens zur schlechtesten Zeit am schlechtesten Ort stattfindet: um halb elf abends, drinnen, wenn kein Licht mehr da ist und die Hälfte der Gäste draußen steht. Mit drei Entscheidungen wird daraus ein Moment, den ihr später gern anschaut.

Der Zeitpunkt entscheidet fast alles

Die beste Zeit ist heller Nachmittag oder die Stunde vor Sonnenuntergang, nicht der späte Abend. Draußen habt ihr dann Licht auf allen Gesichtern, und darum geht es bei diesem Bild: nicht um den Strauß in der Luft, sondern um die Gruppe darunter. Wer den Wurf um 23 Uhr in einen dunklen Saal legt, bekommt ein Bild von einem Strauß und Schatten.

Praktisch heißt das: Legt den Wurf hinter den Sektempfang oder direkt vor das Abendessen, nicht ans Ende der Party. Ein guter Anker ist die Zeit, in der ohnehin alle beisammen sind, etwa nach den Gruppenbildern.

Wenn es abends sein soll, weil es zur Feier passt, sagt es mir vorher. Dann bringe ich Licht mit und baue es auf, statt in der Dunkelheit zu improvisieren. Vorher wissen macht hier den ganzen Unterschied.

Eine Braut in weißem Spitzenkleid mit Schleier hält einen Brautstrauß aus weißen und rosa Blüten in einem grünen Garten
Eine Braut in weißem Spitzenkleid mit Schleier hält einen Brautstrauß aus weißen und rosa Blüten in einem grünen Garten

Der Ort, und wo ich dabei stehe

Ihr braucht drei Dinge: freien Himmel oder eine hohe Decke, eine ruhige Fläche hinter der Gruppe und Platz für mich seitlich. Unter einem Vordach oder Kronleuchter bleibt der Strauß hängen, das passiert häufiger, als man denkt.

Der Hintergrund entscheidet über den Bildeindruck. Eine Hecke, eine Mauer oder eine Fassade sind ruhig. Ein Parkplatz mit Autos, eine Mülltonnenreihe oder das Buffet im Rücken sind auf jedem Bild dabei. Zwei Meter Verschiebung lösen das meistens.

Ich stehe schräg vorn, nicht mittig hinter euch. Von dort sehe ich euch und die Gruppe gleichzeitig, und ich fotografiere den Wurf in Serie: Ausholen, Loslassen, Reaktion. Das wichtigste Bild ist fast nie das mit dem Strauß in der Luft, sondern das eine Zehntel danach, wenn jemand ihn fängt und alle anderen lachen.

Der Ablauf, damit alle mitbekommen, dass es losgeht

Der häufigste Fehler ist fehlende Ansage. Wenn die Braut spontan den Arm hebt, stehen sechs Personen bereit und zwanzig weitere schauen aus dem Fenster zu. Bestimmt jemanden, der eine Minute vorher sammelt, am besten die Trauzeugin, und gebt ihr eine Uhrzeit.

Zwei Sätze reichen: Wer werfen möchte, stellt sich dorthin, und wir zählen gemeinsam bis drei. Das Zählen ist kein Kitsch, sondern Technik: Es sorgt dafür, dass ich und die Gruppe im selben Moment bereit sind. Ohne Zählen wirft die Braut einmal probeweise, und genau dieser Wurf ist dann der echte.

Werft hoch und leicht nach hinten, nicht flach. Ein flacher Wurf ist in zwei Zehnteln vorbei und schwer zu fangen, ein hoher gibt allen Zeit, auch mir.

Ein Brautpaar küsst sich, die Braut trägt ein weißes Kleid und Schleier, der Bräutigam einen dunklen Anzug, im Vordergrund ein Brautstrauß aus weißen Blüten
Ein Brautpaar küsst sich, die Braut trägt ein weißes Kleid und Schleier, der Bräutigam einen dunklen Anzug, im Vordergrund ein Brautstrauß aus weißen Blüten

Der Strauß selbst

Ein gebundener Brautstrauß mit schweren Blüten ist zum Werfen schlecht geeignet: Er fliegt unberechenbar, und er geht kaputt. Viele Floristinnen fertigen deshalb einen kleineren Wurfstrauß an, und das ist die einfachste Lösung. Fragt danach, wenn ihr den Strauß bestellt.

Der zweite Grund für einen Wurfstrauß ist emotional: Viele Bräute möchten ihren eigenen Strauß behalten, trocknen oder pressen lassen. Nach einem Wurf in eine Traube von Menschen ist er dafür selten noch geeignet.

Und ein praktischer Hinweis: Bindet die Bänder vorher fest oder kürzt sie. Lange, lose Bänder verheddern sich beim Wurf und drehen den Strauß seitlich weg.

Wenn ihr nicht werfen möchtet

Der Brauch ist nicht für jeden etwas, und der Grund liegt meistens weniger im Werfen als in der Aufstellung: Alle unverheirateten Frauen nach vorn ist für manche Gäste eine unangenehme Kategorie. Es gibt Varianten, die denselben gemeinsamen Moment erzeugen, ohne jemanden zu sortieren.

Die einfachste: Alle, die möchten, dürfen mitmachen, unabhängig von Familienstand und Geschlecht. Die zweite: Ihr übergebt den Strauß bewusst an eine bestimmte Person, etwa an eure Großmutter oder an das Paar, das am längsten zusammen ist. Das ergibt ein ruhigeres und oft berührenderes Bild als jeder Wurf.

Und die dritte: gar nicht. Ein Tag braucht nicht jeden Programmpunkt. Was ein Tag wirklich braucht, sind Puffer, und die stehen im Zeitplan für den Hochzeitstag.

Kurz zusammengefasst

Hell statt spät, draußen statt im Saal, ruhiger Hintergrund statt Buffet, eine Ansage eine Minute vorher, gemeinsam zählen, hoch werfen, und wenn möglich ein eigener Wurfstrauß. Das sind sieben Entscheidungen, die zusammen fünf Minuten Planung kosten.

Wenn ihr abends werfen wollt, sagt es mir früh, damit ich Licht dafür aufbaue. Und wenn ihr unsicher seid, ob der Programmpunkt zu euch passt, lasst ihn weg; kein Gast hat je eine Hochzeit vermisst, weil kein Strauß geflogen ist.

Wie eine Feier insgesamt getaktet ist, damit solche Momente nicht ins Dunkel rutschen, steht im Zeitplan für den Hochzeitstag. Was eine Begleitung kostet, in den Kosten eines Hochzeitsfotografen.

Ein Brautpaar tanzt auf einer festlich beleuchteten Tanzfläche, umgeben von Gästen in eleganter Kleidung
Ein Brautpaar tanzt auf einer festlich beleuchteten Tanzfläche, umgeben von Gästen in eleganter Kleidung

Häufige Fragen zum Brautstraußwurf

Wann wirft man den Brautstrauß?
Am besten am hellen Nachmittag oder in der Stunde vor Sonnenuntergang, etwa nach den Gruppenbildern oder vor dem Abendessen. Der späte Abend ist der häufigste und schlechteste Zeitpunkt, weil kein Licht mehr da ist.
Wirft man den echten Brautstrauß?
Meist nicht. Ein gebundener Strauß mit schweren Blüten fliegt unberechenbar und geht kaputt. Viele Floristinnen fertigen einen kleineren Wurfstrauß an, und der eigene Strauß bleibt zum Trocknen erhalten.
Wer fängt den Brautstrauß?
Klassisch die unverheirateten Frauen. Wenn euch diese Aufstellung unangenehm ist, lasst alle mitmachen, die möchten, oder übergebt den Strauß bewusst an eine bestimmte Person. Beides ergibt gute Bilder.
Was braucht der Fotograf für den Brautstraußwurf?
Eine Ansage eine Minute vorher, gemeinsames Zählen bis drei, freien Himmel oder eine hohe Decke, einen ruhigen Hintergrund und Platz seitlich. Bei einem Wurf im Dunkeln zusätzlich die Vorwarnung, damit Licht aufgebaut ist.
WhatsApp