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9 Hochzeitslocations in Bochum: Welche Räume bei jedem Wetter tragen
Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit

In Bochum habe ich zwei Hochzeiten an einem Ort fotografiert, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die eine im Juni bei 26 Grad, alles draußen, die andere im September bei Dauerregen. Derselbe Ort, dieselbe Ausstattung, und trotzdem war der zweite Tag deutlich entspannter, weil das Haus einen echten Innenraum hatte. Genau darum geht es hier: welche Räume in Bochum bei jedem Wetter tragen und welche eine Wette auf die Sonne sind.
Was tragen überhaupt heißt
Ein Raum trägt, wenn er drei Dinge kann. Er hat genug Tageslicht, dass man ohne Blitz vernünftig fotografieren kann, also große Fenster oder eine verglaste Seite. Er hat Platz für alle Gäste gleichzeitig, ohne dass jemand im Flur steht. Und er hat mindestens einen überdachten Bereich, der nicht der Saal ist: ein Foyer, einen Torbogen, eine Halle, einen Wintergarten.
Der dritte Punkt wird fast immer vergessen und ist der wichtigste. Wenn es regnet, will niemand acht Stunden lang in demselben Raum sitzen, aus dem er nicht heraus kann. Ein zweiter überdachter Bereich rettet den Abend, weil die Gäste sich verteilen können, und er rettet die Bilder, weil ich euch dorthin mitnehmen kann, wenn draußen nichts geht.
Bei der Besichtigung frage ich deshalb immer nach dem Weg, den ein Gast bei Regen von der Tür bis zum Tisch geht. Wenn dieser Weg über zwanzig Meter offenen Hof führt, ist das ein Punkt gegen das Haus.

Große Innenräume: das industrielle Erbe
Bochum hat mit der Jahrhunderthalle im Westpark eine Halle, die als Wahrzeichen der Stadt gelten darf: Stahl, Höhe, offene Fläche. Dazu kommen kleinere Orte derselben Herkunft, etwa die Zeche Hannover in Hordel mit ihrem Malakowturm oder das Deutsche Bergbau-Museum mit dem Fördergerüst, das man aus der halben Stadt sieht.
Für die Hochzeitsfotografie sind solche Räume aus einem Grund gut: Sie sind so groß, dass sie eine Feier bei Regen komplett aufnehmen. Aus demselben Grund sind sie schwierig: Große Hallen schlucken Licht, und was von oben durch die Oberlichter kommt, fällt steil. Ich arbeite dort meistens nah an den Fensterflächen und nutze die dunkle Tiefe des Raums als Hintergrund, statt gegen sie anzuleuchten. Das ergibt Bilder, in denen ihr hell steht und die Halle hinter euch ins Dunkle läuft, und die mag ich lieber als jede Variante mit aufgehelltem Hintergrund.
Was ihr klären solltet: Was ist an Ausstattung vorhanden, und was muss angemietet werden? Eine leere Halle ist ein starkes Bild und eine teure Rechnung, wenn Tische, Stühle, Licht und Ton einzeln dazukommen.
Häuser mit Park und Ruine
Haus Weitmar mit dem Park und der Ruine der alten Kirche ist der Ort in Bochum, an dem sich beide Seiten treffen: altes Gemäuer und moderne Architektur, dazu Bäume. Solche Orte sind für die Paarzeit ideal, weil sie auf wenigen Metern mehrere völlig verschiedene Hintergründe bieten. Ich brauche dann nicht zwanzig Minuten Fußweg für den nächsten Bildwechsel.
Der Botanische Garten der Ruhr-Universität und der Stadtpark mit dem Bismarckturm sind die grünen Adressen der Stadt. Beide sind öffentlich zugänglich, beide gehören an einem schönen Samstag der halben Stadt. Wer dort in Ruhe fotografiert werden will, geht vormittags oder in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang.
Haus Kemnade an der Ruhr ist das Wasserschloss der Stadt, mit dem Kemnader See in Reichweite. Wasser und altes Gemäuer auf einem Fleck gibt es sonst nirgends in Bochum.

Räume, die nur bei Sonne funktionieren
Es gibt eine Sorte Location, die auf Bildern im Netz großartig aussieht und bei Regen zusammenbricht: die Terrasse mit Zelt daneben, die Wiese mit Bestuhlung, der Hof mit Lichterkette und Foodtruck. Ich sage nicht, dass ihr das lassen sollt. Ich sage, dass ihr wissen solltet, worauf ihr wettet.
Ein Zelt ist kein Innenraum. Ein weißes Zelt bei Sonne wird innen sehr hell und sehr grün, wenn Bäume danebenstehen, und bei Regen ist es laut. Ein offener Pavillon ohne Seitenwände hält keinen Wind ab. Wenn im September der Wind quer durch die Bestuhlung geht, hilft nur eine Wand, und die ist entweder da oder nicht.
Meine Empfehlung, wenn ihr euch in eine solche Location verliebt habt: Bucht sie, aber verlangt eine schriftliche Zusage über den Ausweichraum. Nicht die Aussage, dass sich schon etwas finden wird, sondern die Angabe, welcher Raum das ist und wie viele Menschen hineinpassen.
Standesamt und Wege
Bochum traut im Rathaus und an weiteren Orten der Stadt; welche das im Jahr eurer Hochzeit sind und wie früh ihr reservieren könnt, sagt euch das Standesamt. Die Innenstadt ist kompakt, und das ist ein echter Vorteil gegenüber Essen oder Dortmund: Vom Rathaus zu den meisten innenstadtnahen Locations seid ihr in einer Viertelstunde.
Wenn ihr im Süden feiert, also Richtung Ruhr und Kemnade, plant die Fahrt großzügiger. Die Straßen dorthin sind eng, und an einem Sonntag mit gutem Wetter ist an der Ruhr halb Bochum unterwegs.
Wie viel Zeit die einzelnen Stationen wirklich brauchen, habe ich im Zeitplan für den Hochzeitstag durchgerechnet.
Drei Fragen bei jeder Besichtigung
Erstens: Wo ist der Ausweichraum bei Regen, und darf ich ihn sehen? Zweitens: Wie sieht der Raum um die Uhrzeit aus, zu der wir feiern? Ein Saal mit Fenstern nach Westen ist um 19 Uhr im Juni ein anderer Raum als um 11 Uhr im Februar. Drittens: Was steht direkt vor dem Fenster? Eine Mülltonnenreihe oder ein Parkplatz ist auf jedem Bild mit Blick nach draußen mit dabei.
Nehmt bei der Besichtigung ein Telefon und macht Fotos, aber nicht die schönen. Fotografiert die Ecken, die Decke, den Eingang, den Blick aus dem Fenster. Wenn ihr mir diese Bilder vorher schickt, kann ich euch sagen, wo ich am Tag arbeiten werde und wo es eng wird.
Für die Nachbarstädte gilt vieles davon genauso; ich habe es für Dortmund, Essen und Herne jeweils eigens aufgeschrieben. Wie ich in Bochum selbst arbeite, welche Standesämter es gibt und wo die Bilder danach entstehen, steht auf der Seite Hochzeitsfotograf in Bochum.





