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8 Hochzeitslocations in Dortmund: Platz, Licht und ein Plan für Regen
Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit

Dortmund ist die Stadt, in der ich am zweithäufigsten arbeite. Was ich hier aufschreibe, ist keine Bestenliste und keine Bewertung von Häusern, die ich nicht führe. Es ist das, worauf ich als Fotograf achte, wenn ich einen Ort zum ersten Mal betrete: Wie viel Platz habe ich, woher kommt das Licht, und was passiert, wenn es den ganzen Tag regnet.
Erst das Standesamt, dann alles andere
Die Reihenfolge der Planung ist bei fast allen Paaren dieselbe, und sie ist auch die richtige: Zuerst steht der Termin beim Standesamt, danach sucht ihr die Feier. Dortmund traut an mehreren Orten, unter anderem im Alten Hafenamt am Hafen und in der Hörder Burg am Phoenixsee. Welche Trauorte im Jahr eurer Hochzeit angeboten werden und wie weit im Voraus ihr buchen könnt, sagt euch das Standesamt verbindlich. Ich schreibe das hier bewusst nicht auf, weil sich genau diese Angaben regelmäßig ändern und eine veraltete Zahl schlimmer ist als gar keine.
Für mich als Fotograf entscheidet sich am Trauort viel. Ein Trauzimmer mit einem großen Fenster an der Längsseite ist ein Geschenk. Ein Raum mit gelbem Deckenlicht und Gästen bis an die Wand ist Arbeit. Beides lässt sich fotografieren, aber im zweiten Fall bin ich näher dran, leiser und mit weniger Wahlmöglichkeiten unterwegs.
Deshalb frage ich Paare immer, ob ich mir den Raum vorher ansehen darf, und deshalb frage ich, wo genau die Trauzeugen sitzen. Wer neben euch sitzt, steht auf jedem zweiten Bild.

Industriekultur: die Halle als Wetterversicherung
Dortmund hat das, wofür das Ruhrgebiet überregional bekannt ist: alte Industrie, die inzwischen Kultur ist. Die Zeche Zollern in Bövinghausen ist dafür das bekannteste Beispiel, mit ihrem Jugendstilportal an der Maschinenhalle. Das Dortmunder U und das Depot an der Immermannstraße gehören in dieselbe Familie: hohe Räume, viel Backstein, viel Stahl.
Fotografisch haben diese Orte einen großen Vorteil und einen Haken. Der Vorteil: Sie sind groß genug, dass eine Feier bei Regen nicht in eine Ecke gedrängt wird, und ihre Wände sehen auf Bildern gut aus, ohne dass jemand sie dekorieren muss. Der Haken: Die Fenster sitzen oft weit oben. Das Licht fällt dann steil ein, was schöne Lichtbahnen im Raum ergibt, aber ungünstige Schatten in den Gesichtern. Ich arbeite an solchen Orten fast immer mit dem Rücken zum Fenster und stelle euch so, dass das Licht von der Seite kommt.
Wenn ihr in einer Halle feiert, lohnt sich eine Frage vorab: Darf ich auch in die Bereiche, die für Gäste geschlossen sind? Die stärksten Bilder an solchen Orten entstehen selten dort, wo die Tische stehen.
Grün, und wo es in Dortmund wirklich funktioniert
Wer draußen fotografiert werden möchte, hat in Dortmund mehr Auswahl als in den meisten Städten des Reviers. Der Rombergpark ist ein botanischer Garten mit altem Baumbestand, der Westfalenpark liegt mitten in der Stadt und ist trotzdem groß genug, dass man die Stadt nicht sieht. Beide sind öffentlich, und das heißt: Ihr seid dort nicht allein. An einem Samstag im Juni läuft neben euch ein Volksfest an Familien, Joggern und anderen Brautpaaren.
Das ist kein Problem, es braucht nur eine Entscheidung. Entweder ihr geht früh, also vor elf Uhr oder in der letzten Stunde vor Sonnenuntergang, oder ihr nehmt die Menschen als Teil des Tages und lasst euch nicht davon stören. Was nicht funktioniert, ist der Wunsch nach einem menschenleeren Park um 15 Uhr am ersten warmen Samstag des Jahres.
Die Hohensyburg ist der Ort mit der weitesten Sicht, hoch über dem Ruhrtal und dem Hengsteysee. Für die halbe Stunde vor Sonnenuntergang gibt es in Dortmund kaum etwas Besseres. Rechnet die Anfahrt aber ehrlich: Von der Innenstadt aus seid ihr eine gute halbe Stunde unterwegs, und wenn ihr zurück zur Feier müsst, ist eine Stunde weg.

Der Weg zwischen den Orten ist Teil der Location
Der Fehler, den ich in Dortmund am häufigsten sehe, hat nichts mit der Wahl der Location zu tun, sondern mit der Entfernung zwischen zweien. Standesamt in der Innenstadt, Paarzeit an der Hohensyburg, Feier im Norden: Das sind auf der Karte drei Punkte, in der Wirklichkeit sind es 90 Minuten Auto plus zweimal Parkplatzsuche plus die Gäste, die nicht wissen, wo sie hinsollen.
Ich empfehle deshalb, sich auf zwei Orte zu beschränken, oder auf drei, wenn sie in dieselbe Richtung liegen. Die Zeit, die ihr dabei spart, ist genau die Zeit, in der die guten Bilder entstehen: bei einem Getränk mit euren Leuten, nicht angeschnallt auf der B1.
Wie sich ein Tag realistisch aufteilt, mit welchen Puffern und in welcher Reihenfolge, steht ausführlich im Zeitplan für den Hochzeitstag.
Der Regenplan, den fast niemand macht
Im Ruhrgebiet regnet es an rund der Hälfte aller Tage im Jahr irgendwann. Trotzdem habe ich bei ungefähr jeder dritten Hochzeit die Situation, dass es um 16 Uhr anfängt zu schütten und niemand einen Plan hat.
Ein Regenplan besteht aus drei Antworten. Erstens: Welcher überdachte Ort steht uns zur Verfügung, ohne dass wir fahren müssen? Ein Torbogen, ein Foyer, eine Tiefgarage mit gutem Licht, notfalls die Einfahrt der Location. Zweitens: Gibt es sechs bis acht große, einfarbige Schirme? Transparente Schirme sind die beste Lösung, weil sie das Licht durchlassen. Bunte Werbeschirme sind auf Bildern für immer bunte Werbeschirme. Drittens: Wer sagt was, wenn es so weit ist? Meistens bin das ich, aber es hilft, wenn eure Trauzeugen wissen, dass die Ansage kommt.
Häuser mit einem großen Innenbereich nehmen euch diese Planung ab. Ein Ort, an dem die Feier komplett im Freien stattfindet, verlangt sie umso mehr.
Was ich Paaren in Dortmund rate
Fahrt die Location an dem Wochentag und zu der Uhrzeit an, zu der ihr feiert. Ein Saal, den ihr im Februar um 11 Uhr besichtigt, sieht im Juli um 19 Uhr anders aus, und das ist die Version, die auf euren Bildern landet.
Schaut euch dabei drei Dinge an: das Fenster, den Boden und die Decke. Woher kommt das Tageslicht, was liegt unter euch, wenn ihr tanzt, und was hängt über euch, wenn es dunkel wird. Der Rest ist Geschmack.
Und falls ihr noch schwankt, welche Stadt es überhaupt werden soll: Ich habe dasselbe für Essen, für Bochum und für Herne aufgeschrieben.





