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9 Hochzeitslocations in Essen: Zollverein, Säle und der See

Roland Hentschel · 6 Minuten Lesezeit

Beschreibung des HochzeitsfotosBrautpaar in Schwarz-Weiß-Fotografie in freier Natur, Bräutigam umarmt Braut mit Brautstrauß auf Heidefeld
Beschreibung des HochzeitsfotosBrautpaar in Schwarz-Weiß-Fotografie in freier Natur, Bräutigam umarmt Braut mit Brautstrauß auf Heidefeld

Essen ist die Stadt im Revier mit den größten Gegensätzen auf kurzer Strecke. Innerhalb einer halben Autostunde liegen ein Welterbe aus Stahl, ein See mit Segelbooten und ein Villenpark. Genau das macht die Planung reizvoll und heikel zugleich, denn zwischen diesen Welten liegen Kilometer, die im Zeitplan oft fehlen.

Der Anfang: das Standesamt

Alles beginnt mit dem Termin beim Standesamt, und der bestimmt danach den ganzen Tag. Essen bietet neben dem Trauzimmer im Zentrum weitere Trauorte an, und welche das im Jahr eurer Hochzeit sind, welche Gebühr anfällt und wie viele Gäste hineinpassen, sagt euch nur das Standesamt selbst. Ich nenne hier absichtlich keine Zahlen dazu, weil sie sich jedes Jahr ändern können.

Was ich sagen kann, ist das, was für mich zählt. Fragt beim Termin drei Dinge: Wie viele Gäste dürfen mit hinein, wo darf ich als Fotograf stehen, und wie lang ist die Trauung angesetzt. Die dritte Frage ist die, an die niemand denkt. Eine standesamtliche Trauung dauert oft nur zwanzig Minuten, manchmal aber auch fünfzig, und der Unterschied entscheidet, ob danach noch Zeit für Bilder mit euren Leuten bleibt.

Und plant das Gratulieren ein. Vierzig Gäste, die euch nacheinander umarmen, brauchen zwanzig Minuten. Das sind schöne Bilder, aber es sind eben zwanzig Minuten, die vorher niemand im Plan hatte.

Brautpaar küsst sich unter weißen Ballons, Braut hält roten Rosenstrauß, Gäste im Hintergrund
Brautpaar küsst sich unter weißen Ballons, Braut hält roten Rosenstrauß, Gäste im Hintergrund

Zollverein: das größte Motiv der Stadt, mit Regeln

Die Zeche Zollverein ist Welterbe und für viele Paare der Grund, warum sie in Essen heiraten wollen. Der rote Doppelbock, die Kohlenwäsche, die Achsen aus Stahl und Backstein: Das ist ein Bildmotiv, das es so nur hier gibt, und es funktioniert bei jedem Wetter, weil Beton und Rost bei Grau sogar besser aussehen als bei Sonne.

Zwei Dinge solltet ihr vorher klären. Erstens gelten auf dem Gelände eigene Regeln für Aufnahmen; klärt bei der Verwaltung, was für euren Termin gilt und ob eine Genehmigung nötig ist. Das ist in fünf Minuten erledigt und erspart die unangenehme Variante, in der jemand mitten in der Paarzeit dazwischengeht. Zweitens ist das Areal groß. Vom Parkplatz zum Motiv sind es je nach Ecke zehn Minuten Fußweg, und die geht ihr in Anzug und Kleid, nicht in Turnschuhen.

Fotografisch würde ich dort nie länger als 45 Minuten einplanen. Die Kulisse ist so stark, dass die Bilder nach einer halben Stunde anfangen, sich zu ähneln. Lieber kurz und konzentriert, dann zurück zu den Gästen.

Häuser mit Park: das andere Essen

Das Wasserschloss Borbeck im Nordwesten steht für die andere Seite der Stadt: ein repräsentatives Haus mit Schlosspark ringsherum, in dem auch standesamtlich getraut wird. Plant ihr weiter voraus, beachtet die angekündigte Sanierung: Voraussichtlich ab Januar 2028 ist das Schloss für längere Zeit zu. Und eine ehrliche Warnung zur berühmtesten Adresse der Stadt: Die Villa Hügel erlaubt laut ihren offiziellen Regeln keine Hochzeitsfotos, weder im Haus noch im Park. Plant sie gar nicht erst ein, so erspart ihr euch eine Absage am schönsten Tag.

Parks haben für mich einen praktischen Vorteil, über den selten jemand spricht: Sie liefern Schatten. Eine Trauung um 14 Uhr im Juli auf einer offenen Wiese bedeutet hartes Licht von oben, zusammengekniffene Augen und schwarze Schatten unter den Augenbrauen. Derselbe Termin unter alten Bäumen sieht aus wie gemalt. Wenn ihr die Wahl habt, entscheidet euch für die Baumkante statt für die Wiesenmitte.

Die Kehrseite: Große Parks sind selten nur für euch da. Wenn ihr ein Haus mit Park mietet, fragt konkret, welcher Teil davon in eurer Zeit tatsächlich exklusiv ist.

Braut im weißen Hochzeitskleid mit Spitzenelementen, Schleier und beigen Schuhen vor dunkelm Vorhang
Braut im weißen Hochzeitskleid mit Spitzenelementen, Schleier und beigen Schuhen vor dunkelm Vorhang

Säle mit Namen: von der Grand Hall bis zur Philharmonie

Wer auf Zollverein nicht nur fotografieren, sondern feiern will, findet dort zwei Häuser mit sehr unterschiedlichem Charakter: die Grand Hall für große Gesellschaften und das Casino Zollverein in der ehemaligen Kompressorenhalle, das Industriearchitektur mit Gastronomie verbindet. Beide nehmen euch die Ortswechsel ab, weil Trauung, Bilder und Feier auf einem Gelände liegen.

In der Innenstadt ist der Weiße Saal der Philharmonie die eleganteste Adresse: Dort wird standesamtlich getraut, mit Platz für bis zu 130 Personen. Fußballherzen heiraten im Stadion an der Hafenstraße mit bis zu 70 Gästen. Und im Süden liegt das Schlosshotel Hugenpoet in Kettwig, ein historisches Wasserschloss mit Kapelle und Sälen, in dem Feiern mit bis zu 120 Gästen unter einem Dach stattfinden.

Diese Namen sind kein vollständiger Katalog, aber sie decken die Spannweite ab: Industrie, Konzertsaal, Stadion, Schlosshotel. Wenn ihr einen davon anfragt, fragt immer nach dem Raum für schlechtes Wetter und danach, wo die Bilder zu zweit entstehen dürfen.

Wasser: Baldeneysee und der Süden

Der Baldeneysee ist die Fläche, die Essen von den anderen Städten im Revier unterscheidet. Wasser bringt zwei Dinge mit, die ich als Fotograf mag: eine offene Horizontlinie und eine zweite Lichtquelle, weil die Fläche das Abendlicht zurückwirft.

Am See gibt es Gastronomie und Häuser, die Feiern ausrichten, und mit den Schiffen der Weissen Flotte sogar die Möglichkeit, an Bord zu heiraten und danach über den See zu fahren. Daneben liegen die Uferwege, die einfach da sind. Für die letzte Stunde vor Sonnenuntergang ist der Blick über das Wasser das Beste, was die Stadt hat. Rechnet dabei mit Wind. Eine hochgesteckte Frisur hält am Ufer keine Stunde, und ein Schleier wird dort zu einer eigenen Persönlichkeit. Manchmal ist das das beste Bild des Tages, aber es sollte niemanden überraschen.

Der Süden von Essen, also Werden, Kettwig und die Ruhrhöhen, ist landschaftlich der schönste Teil und gleichzeitig der, der am weitesten von der Innenstadt weg ist. Von Kettwig bis nach Altenessen fahrt ihr durch die halbe Stadt.

Die Wege dazwischen, ehrlich gerechnet

Essen ist von Nord nach Süd über zwanzig Kilometer lang. Das ist der Grund, warum Zeitpläne hier häufiger kippen als in kompakteren Städten. Eine Strecke, die das Navigationsgerät mit 18 Minuten angibt, dauert an einem Samstagnachmittag mit Baustellen auf der A40 gern das Doppelte, und danach sucht die Hälfte eurer Gäste noch einen Parkplatz.

Meine Faustregel: Jeder Ortswechsel kostet die reine Fahrzeit plus 20 Minuten. Diese 20 Minuten sind Einsteigen, Aussteigen, Warten auf die zwei Autos, die falsch abgebogen sind, und das Wiederfinden der Gruppe. Bei zwei Wechseln am Tag sind das 40 Minuten, die im Plan stehen müssen.

Am entspanntesten sind die Hochzeiten, bei denen Trauung und Feier fußläufig zusammenliegen. Wenn das nicht geht, versucht wenigstens, die Paarzeit an einem Ort zu legen, der auf dem Weg liegt, statt an einen dritten Punkt abseits der Strecke.

Wann welcher Ort sein bestes Licht hat

Zollverein und alles aus Stahl: bedeckter Himmel oder die späte Stunde. Bei Mittagssonne wird der Kontrast zwischen Rost und Himmel so hart, dass die Bilder anstrengend werden.

Park und Wald: von morgens bis in den späten Nachmittag gut, am besten unter der Baumkante statt auf der freien Fläche. Der freundlichste Park der Stadt ist dabei der Grugapark: Brautpaare dürfen dort mit einem Fotografen gebührenfrei und ohne Eintritt fotografieren, was in dieser Form kaum eine zweite Anlage der Region anbietet.

See und offene Flächen: die letzten 60 bis 90 Minuten vor Sonnenuntergang. Im Juni heißt das gegen 21 Uhr, im September gegen 19 Uhr, und das ist regelmäßig mitten im Abendessen. Sagt eurem Caterer vorher Bescheid, dass ihr für zwanzig Minuten verschwindet. Kein Koch findet das gut, jeder findet es besser als kalte Teller ohne Vorwarnung.

Wenn ihr am Hochzeitstag ohnehin wenig Zeit für Bilder zu zweit habt, ist ein After-Wedding-Shooting an einem dieser Orte oft die bessere Lösung, als den Tag noch enger zu takten. Und wenn ihr schauen wollt, was die Nachbarstädte bieten: Dortmund und Bochum habe ich genauso aufgeschrieben.

Ein junges Paar umarmt sich lachend auf einem Waldweg bei Tageslicht
Ein junges Paar umarmt sich lachend auf einem Waldweg bei Tageslicht
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