Planung

Trauzeugen: Auswahl, Aufgaben und was das Gesetz verlangt

Roland Hentschel · 5 Minuten Lesezeit · Aktualisiert am 24. September 2026

Brautpaar in eleganter Hochzeitskleidung schaut sich verliebt an, Braut hält Blumenstrauß
Brautpaar in eleganter Hochzeitskleidung schaut sich verliebt an, Braut hält Blumenstrauß

Kaum eine Entscheidung in der Hochzeitsplanung wird so schwer genommen und so selten durchdacht wie die nach den Trauzeugen. Die meisten Paare wählen nach Nähe, und das ist richtig. Was dabei untergeht: Diese ein oder zwei Menschen bekommen am Hochzeitstag eine Rolle, die über den Tag mitentscheidet. Wer sie kennt und annimmt, macht euren Tag leichter. Wer sie nicht kennt, steht mit einem Sektglas herum, während dreißig Leute auf eine Ansage warten.

Was rechtlich gilt

Trauzeugen sind bei der standesamtlichen Eheschließung in Deutschland keine Pflicht. Diese Pflicht wurde zum 1. Juli 1998 abgeschafft, seither könnt ihr auch ohne heiraten. Wenn ihr welche benennt, sind höchstens zwei zulässig.

Wer Trauzeuge sein darf, ist schnell erklärt: volljährig, mit gültigem Ausweis oder Reisepass am Tag der Trauung. Eine Verwandtschaftsregel gibt es nicht, Geschwister und Eltern sind ebenso möglich wie Freunde. Details können die Standesämter unterschiedlich handhaben, deshalb gehört die Frage in die Anmeldung.

Bei einer kirchlichen Trauung gelten die Regeln der jeweiligen Gemeinde, und die weichen davon ab. Fragt das im Traugespräch ab; was dort sonst noch geklärt gehört, steht in der kirchlichen Trauung.

Brautpaar läuft Arm in Arm beim Auszug durch die Kirche
Brautpaar läuft Arm in Arm beim Auszug durch die Kirche

Wie ihr auswählt, ohne jemanden zu verletzen

Die häufigste Falle ist die Symmetrie. Weil eine Seite zwei Geschwister hat und die andere keins, wird aufgefüllt, und am Ende steht jemand vorn, der eigentlich nicht dazugehört. Ihr müsst nicht gleich viele haben, und ihr müsst nicht beide welche haben.

Die zweite Frage ist praktischer Natur, und ich stelle sie Paaren gern: Wer von euren Menschen bleibt ruhig, wenn etwas schiefgeht? Nicht wer euch am nächsten steht, sondern wer bei Verspätung, Regen oder einer verlorenen Ringschachtel nicht in Hektik verfällt. Diese Person ist am Tag mehr wert als jede andere.

Und die dritte: Wer traut sich, laut zu rufen? Für die Gruppenbilder braucht es jemanden, der dreißig Menschen beim Namen kennt und sie ohne Scheu zusammenholt. Ich kenne eure Familie nicht und kann niemanden holen. Wenn diese Person nicht unter den Trauzeugen ist, benennt sie getrennt.

Was am Hochzeitstag auf sie zukommt

Formal ist es wenig: mit ins Trauzimmer gehen, die Eheurkunde unterschreiben, Ausweis dabeihaben. Der Rest ist das, was sich über die Jahre eingebürgert hat, und darüber lohnt ein Gespräch vorher, damit niemand von seiner Rolle überrascht wird.

In der Praxis sind das vier Dinge: die Ringe verwahren, die Gruppen für die Bilder zusammenrufen, das Programm des Abends koordinieren und ansprechbar sein, wenn ein Gast etwas sucht. Was davon in welcher Reihenfolge passiert, habe ich in einem eigenen Text aufgeschrieben, den Aufgaben der Trauzeugen.

Was nicht dazugehört, obwohl es oft erwartet wird: die Finanzierung des Junggesellenabschieds, eine Rede und die Organisation von Überraschungen. Sagt früh, was ihr euch wünscht und was ausdrücklich nicht.

Platz für ein Bild: Die beiden Trauzeugen unterschreiben im Trauzimmer die Eheurkunde, das Brautpaar schaut zu
Die beiden Trauzeugen unterschreiben im Trauzimmer die Eheurkunde, das Brautpaar schaut zu

Warum sie auf euren Bildern häufiger vorkommen als alle anderen

Trauzeugen stehen den ganzen Tag in eurer Nähe: im Ankleidezimmer, neben euch im Trauzimmer, beim Gratulieren, auf fast jedem Gruppenbild. Wer neben euch sitzt, ist auf jedem zweiten Bild mit drauf, und deshalb frage ich vorher, wer diese Menschen sind.

Für mich sind sie außerdem die nützlichsten Menschen des Tages. Sie halten Schirme, wenn es regnet, sie tragen den Brautstrauß, wenn die Hände frei sein müssen, sie holen die Großtante aus der zweiten Reihe. Nichts davon steht in einer Aufgabenliste, und alles davon macht die Bilder besser.

Ein Hinweis, den ich immer gebe: Sagt euren Trauzeugen, dass ich sie vor dem Sektempfang kurz anspreche. Diese eine Minute Abstimmung spart später eine Viertelstunde.

Wenn ihr keine benennen wollt

Das geht, und es ist kein Verlust. Ohne Trauzeugen wird die Zeremonie im Standesamt kein bisschen weniger gültig, und niemand fehlt auf den Bildern. Was ihr dann trotzdem braucht, ist eine Person für die Gruppenbilder und eine für das Abendprogramm. Bittet sie darum, ohne den Titel zu vergeben.

Umgekehrt gilt: Wenn ihr mehr als zwei Menschen ehren möchtet, gebt ihnen andere Rollen. Jemand liest bei einer freien Zeremonie einen Text, jemand kümmert sich um die Musik, jemand steht am Empfang. Das wirkt für die Betreffenden oft mehr als der Titel, weil es eine echte Aufgabe ist.

Wie eine Zeremonie aussieht, in der solche Rollen ohnehin frei verteilt werden, steht in der freien Trauung.

Das Gespräch, das ich empfehle

Setzt euch einmal für zwanzig Minuten mit euren Trauzeugen zusammen, spätestens vier Wochen vorher. Drei Punkte reichen: Was erwartet ihr am Tag konkret, wer hält die Ringe, und wer ruft die Gruppen zusammen. Danach weiß jeder, woran er ist.

Gebt ihnen außerdem den Ablauf des Tages an die Hand, nicht nur die Uhrzeit der Trauung. Wie so ein Plan aussieht, steht im Zeitplan für den Hochzeitstag; die Stunde, in der ihre Rolle am wichtigsten wird, ist der Sektempfang.

Und wenn euer Datum noch nicht vergeben ist: Fragt es einfach an. Was eine Begleitung kostet, steht offen in den Kosten eines Hochzeitsfotografen.

Brautpaar posiert lächelnd im Freien vor grünem Laub, der Bräutigam im dunkelblauen Anzug mit Fliege
Brautpaar posiert lächelnd im Freien vor grünem Laub, der Bräutigam im dunkelblauen Anzug mit Fliege

Häufige Fragen zu Trauzeugen

Sind Trauzeugen Pflicht?
Nein. Bei der standesamtlichen Eheschließung in Deutschland wurde die Pflicht zum 1. Juli 1998 abgeschafft. Ihr könnt also ohne Trauzeugen heiraten; bei einer kirchlichen Trauung gelten die Regeln eurer Gemeinde.
Wie viele Trauzeugen darf man haben?
Höchstens zwei. Wenn ihr mehr Menschen einbinden möchtet, gebt ihnen andere Rollen: eine Lesung bei der freien Zeremonie, die Musik, den Empfang. Das ist für die Betreffenden oft mehr wert als der Titel.
Wer darf Trauzeuge sein?
Jede volljährige Person mit gültigem Ausweis oder Reisepass am Tag der Trauung. Eine Verwandtschaftsregel gibt es nicht. Einzelheiten handhaben die Standesämter unterschiedlich, fragt sie deshalb bei der Anmeldung ab.
Was machen Trauzeugen am Hochzeitstag?
Formal unterschreiben sie die Eheurkunde. In der Praxis verwahren sie die Ringe, rufen die Gruppen für die Bilder zusammen, koordinieren das Abendprogramm und sind für Gäste ansprechbar. Sprecht vorher ab, was ihr davon erwartet.
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